Global Catastrophic Risks ist ein 2008 bei Oxford University Press erschienener, von Nick Bostrom und Milan M. Ćirković herausgegebener Sammelband, der als Gründungstext des akademischen Feldes der globalen Katastrophenrisikoforschung gilt.
Zusammenfassung
Vor 2008 wurden Risiken wie Pandemien, Asteroideneinschläge, Supervulkanausbrüche, Nuklearkrieg und die Risiken neuer Technologien überwiegend getrennt voneinander untersucht – jeweils innerhalb der eigenen Fachdisziplin.
Bostrom und Ćirković versammelten in diesem Band erstmals Beiträge führender Fachleute zu all diesen Gefahren unter der gemeinsamen Kategorie globaler Katastrophenrisiken: Ereignisse, die der Menschheit als Ganzer irreversiblen, massiven Schaden zufügen könnten.
Der Band etablierte damit ein methodisches Programm, das über die einzelnen Risikoarten hinausgeht: Wie lassen sich derart unterschiedliche, seltene und folgenschwere Ereignisse überhaupt vergleichend bewerten und priorisieren?
Begriffsgeschichte
Bostrom hatte den Begriff des existenziellen Risikos bereits 2002 in seinem Aufsatz Existential Risks: Analyzing Human Extinction Scenarios and Related Hazards eingeführt. Global Catastrophic Risks erweiterte diesen Ansatz 2008 zu einem systematischen, mehrautorigen Überblickswerk und verschaffte dem jungen Feld akademische Sichtbarkeit über eine einzelne Forschungsgruppe hinaus.
Unter den Beiträgen befindet sich Eliezer Yudkowskys Aufsatz Artificial Intelligence as a Positive and Negative Factor in Global Risk – seine erste Veröffentlichung in einem referierten akademischen Sammelband und ein früher Referenzpunkt der heutigen KI-Sicherheitsforschung.
Methodische Grundlagen
Der Band ordnet Risiken nach Schadensausmaß und Wahrscheinlichkeit und führt eine Unterscheidung ein, die seither in der Existenzial-Risiko-Literatur Standard ist. Katastrophenrisiken, die die Menschheit zwar schwer, aber nicht dauerhaft schädigen, stehen darin existenziellen Risiken im engeren Sinne gegenüber, die das gesamte künftige Potenzial der Menschheit auslöschen oder dauerhaft beschränken.
Einzelne Kapitel behandeln jeweils ein spezifisches Risiko – Pandemien, nukleare Kriegsführung, Asteroideneinschläge, Supervulkane, synthetische Biologie, Nanotechnologie und Künstliche Intelligenz – aus der Perspektive von Fachleuten des jeweiligen Gebiets, gerahmt durch Bostroms und Ćirkovićs einleitendes Kapitel zur gemeinsamen methodischen Grundlage.
Anwendungsfelder
Der Band entstand aus dem Forschungsprogramm des bereits 2005 gegründeten Future of Humanity Institute und wurde seinerseits zur Referenz für spätere Institutsgründungen wie das 2012 entstandene Centre for the Study of Existential Risk.
Er wird bis heute als Standardreferenz zitiert, wann immer Artikel dieses Lexikons auf die gemeinsame Kategorie globaler Katastrophenrisiken Bezug nehmen, etwa in Diskussionen zu Open Philanthropys Förderprogrammen oder zur Friendly-AI-Debatte.
Kontroversen und Kritik
Kritiker:innen wandten ein, die Zusammenfassung derart heterogener Risiken – von gut erforschten Naturgefahren bis zu spekulativen KI-Szenarien – unter einer gemeinsamen Kategorie verwische wichtige Unterschiede in Wahrscheinlichkeit, Zeithorizont und Belastbarkeit der zugrunde liegenden Evidenz.
Befürworter:innen halten dagegen, dass gerade der Vergleich unterschiedlicher Risikoarten helfe, Ressourcen dort zu priorisieren, wo der erwartete Schaden am größten sei.
Verwandte Begriffe
- The Precipice – spätere, monografische Fortführung desselben Forschungsprogramms
- Centre for the Study of Existential Risk – Forschungseinrichtung im Umfeld des Bandes
Quellenangaben
- Bostrom, Nick / Ćirković, Milan M. (Hrsg.), 2008. Global Catastrophic Risks. Oxford University Press.
- Bostrom, Nick, 2002. Existential Risks: Analyzing Human Extinction Scenarios and Related Hazards. Journal of Evolution and Technology 9 (1).