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Kate Crawford

Kate Crawford (geboren 1974) ist eine australische Wissenschaftlerin, die die gesellschaftlichen und politischen Folgen künstlicher Intelligenz erforscht. Sie ist Mitgründerin des AI Now Institute und Autorin des Atlas of AI.

Zusammenfassung

Crawfords Grundthese lautet, dass künstliche Intelligenz weder künstlich noch intelligent ist. Sie besteht aus Erzen, Rechenzentren, Stromverbrauch und schlecht bezahlter menschlicher Arbeit – und sie trifft Entscheidungen, die politische Setzungen sind, keine technischen Ableitungen.

Diese materielle Perspektive unterscheidet sie von Ansätzen, die KI-Ethik als Frage besserer Modelle oder ausgewogenerer Datensätze behandeln. Für Crawford verschiebt eine reparierte Klassifikation das Problem, statt es zu lösen.

Ihre Arbeit ist ungewöhnlich breit angelegt: wissenschaftliche Aufsätze, ein Buch, Kartenwerke und Ausstellungsarbeiten, die in Museumssammlungen aufgenommen wurden. Die Form ist Teil des Arguments – die Größe der Infrastruktur soll sichtbar werden.

Biografie

Crawford wurde 1974 in Australien geboren und promovierte an der University of Sydney. Vor ihrer wissenschaftlichen Laufbahn war sie als Musikerin tätig – zwischen 1998 und 2003 veröffentlichte sie im Elektronik-Duo B(if)tek drei Alben.

Sie forschte und lehrte an der University of Sydney, der UNSW, dem MIT Media Lab und der New York University.

2017 gründete sie gemeinsam mit Meredith Whittaker das AI Now Institute an der New York University – eines der ersten Forschungsinstitute, das die Machtverhältnisse hinter KI-Systemen zum eigenen Gegenstand machte.

Sie arbeitet als Senior Principal Researcher bei Microsoft Research in New York und als Research Professor an der USC Annenberg. Politikberatend war sie unter anderem für Gremien der Vereinten Nationen und des Europäischen Parlaments tätig.

Wissenschaftliches Werk

Anatomy of an AI System (2018). Gemeinsam mit Vladan Joler entstand ein großformatiges Diagramm, das den gesamten Lebenszyklus eines einzelnen Amazon-Echo-Lautsprechers nachzeichnet – vom Lithiumabbau bis zur Elektroschrottdeponie. Die Arbeit wurde in die Sammlungen des Museum of Modern Art und des Victoria and Albert Museum aufgenommen.

Excavating AI (2019). Die zusammen mit Trevor Paglen verfasste Untersuchung von Trainingsdatensätzen zeigte, dass die Kategorien, nach denen Bilder sortiert werden, keine neutralen Beschreibungen sind, sondern Wertungen tragen. Die Arbeit erhielt den Ayrton Prize der British Society for the History of Science.

Atlas of AI (2021). Ihr Hauptwerk führt die Einzelbefunde zusammen: acht Kapitel von der Rohstoffgewinnung über Arbeit, Daten und Klassifikation bis zu Staat und Marktmacht. Das Buch wurde in über zehn Sprachen übersetzt.

Stil und öffentliches Profil

Crawford arbeitet an der Grenze zwischen Wissenschaft und Ausstellung. Ihre Kartenwerke sind zugleich Forschungsergebnis und Exponat – eine Form, die Zusammenhänge sichtbar macht, für die ein Aufsatz zu klein wäre.

Sie tritt zudem als Kritikerin der Debattenlage selbst auf und wendet sich gegen eine Verengung auf hypothetische Zukunftsrisiken, solange die gegenwärtigen Kosten der Infrastruktur unbeachtet bleiben.

Rezeption und Wirkung

Crawford gilt als eine der prägenden Stimmen der Critical AI Studies. Das AI Now Institute etablierte mit seinen Jahresberichten ein institutionelles Gegengewicht zu techno-optimistischen Forschungseinrichtungen.

Der materielle Blick auf KI – Wasserverbrauch von Rechenzentren, Arbeitsbedingungen beim Daten-Labeling, Rohstoffketten – ist inzwischen fester Bestandteil der Debatte und war es vor ihren Arbeiten nicht.

Kontroversen und Kritik

Verhältnis zur Existenzrisiko-Linie. Crawford steht für eine Position, die gegenwärtige Schäden gegen hypothetische Zukunftsszenarien in Stellung bringt. Vertreter:innen der Sicherheitsforschung halten dem entgegen, beides schließe einander nicht aus.

Fehlende Handlungsanleitung. Ein wiederkehrender Einwand lautet, die Analyse benenne Machtverhältnisse präzise, biete aber wenig an, was ein Unternehmen oder eine Behörde am Montag anders machen könnte.

Eigene Position. Dass Crawford ihre Kritik an der Marktmacht großer Anbieter aus einer Forschungsstelle bei Microsoft heraus formuliert, ist wiederholt angemerkt worden – als Spannung, nicht als widerlegender Einwand.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Crawford, Kate, 2021. Atlas of AI: Power, Politics, and the Planetary Costs of Artificial Intelligence.
  2. Crawford, Kate / Paglen, Trevor, 2019. Excavating AI: The Politics of Images in Machine Learning Training Sets.
  3. Crawford, Kate / Joler, Vladan, 2018. Anatomy of an AI System. SHARE Lab und AI Now Institute.
  4. AI Now Institute, o. J. People. ainowinstitute.org.

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