ASI (englisch Artificial Superintelligence, deutsch künstliche Superintelligenz) bezeichnet eine hypothetische KI, die menschliche Leistungen in praktisch allen relevanten Domänen erheblich übersteigt. In der verbreiteten Dreiteilung ANI–AGI–ASI bildet sie die Stufe jenseits allgemeiner künstlicher Intelligenz.
Zusammenfassung
ASI ist der Kapazitätsbegriff innerhalb einer Stufenlogik technischer Entwicklung; der philosophisch ausgearbeitete Begriff der Superintelligenz stammt von Nick Bostrom (2014) und ist weiter gefasst.
Kennzeichnend für die Debatte ist weniger die Frage, was ASI wäre, als die Frage, wie der Übergang von AGI zu ASI verliefe: Die These der Intelligenzexplosion – ein System, das seine eigene Entwicklung vorantreibt, verbessert sich in beschleunigender Rückkopplung – geht auf I. J. Good (1965) zurück und begründet den größten Teil der sicherheitspolitischen Aufmerksamkeit für den Begriff.
Ab 2025 verwenden mehrere KI-Unternehmen ASI beziehungsweise Superintelligenz als erklärtes Ziel und lösen damit AGI als Leitbegriff ab.
Begriffsgeschichte
Die Sache ist älter als das Wort. Bereits 1965 formulierte Irving John Good, ein Mitarbeiter Alan Turings aus der Bletchley-Park-Zeit, die Überlegung, dass die erste den Menschen übertreffende Maschine „die letzte Erfindung” sei, die der Mensch machen müsse – vorausgesetzt, sie bleibe fügsam genug, um zu sagen, wie man sie unter Kontrolle hält. Der Vorbehalt am Ende des Satzes ist die Keimzelle der späteren Alignment-Debatte.
Vernor Vinge verband die Überlegung 1993 mit dem Begriff der Singularität und verlagerte den Akzent von der technischen Möglichkeit auf die epistemische Folge: Jenseits eines übermenschlichen Intellekts ende die Vorhersagbarkeit der Geschichte.
Die systematische philosophische Ausarbeitung leistete Nick Bostrom mit Superintelligence (2014), das die Formen der Überlegenheit, die möglichen Entwicklungspfade und die Kontrollproblematik erstmals in einem geschlossenen Argumentationsgang behandelte und den Begriff aus dem Umfeld der Science-Fiction in die akademische Diskussion überführte.
Das Kürzel ASI selbst gehört einer jüngeren, populärwissenschaftlichen Schicht an. Es entstand im Zuge der Verbreitung der Dreiteilung ANI–AGI–ASI in Übersichtsdarstellungen der 2010er Jahre und ist in der Fachliteratur weniger gebräuchlich als der ausgeschriebene Begriff der Superintelligenz. Seine Karriere im Unternehmenssprachgebrauch ab 2025 verlief entsprechend unabhängig von der philosophischen Debatte, an deren Vokabular er anschließt.
Bestimmung
Bostrom (2014) unterscheidet drei Formen, in denen eine Intelligenz menschliche übersteigen kann:
| Form | Überlegenheit durch | Qualitativ neue Kognition nötig |
|---|---|---|
| Geschwindigkeit | dieselben Operationen, um Größenordnungen schneller | nein |
| Kollektiv | Zusammenschluss vieler Einheiten | nein |
| Qualitativ | Operationen, zu denen Menschen nicht fähig sind | ja |
Diese Unterscheidung ist für die Risikodebatte erheblich: Die ersten beiden Formen sind ohne qualitativ neue Kognition denkbar und damit näher an bestehenden Systemen, als die Bezeichnung nahelegt.
Intelligenzexplosion
Die Vorstellung, dass ASI aus AGI in kurzer Zeit hervorgehen könnte, geht auf den Mathematiker Irving John Good zurück. Er argumentierte 1965, eine Maschine, die den Menschen im Entwerfen von Maschinen übertrifft, könne bessere Maschinen entwerfen; dieser Vorgang wiederhole sich und führe zu einer sprunghaften Steigerung, die er als intelligence explosion bezeichnete.
Die These ist empirisch unbelegt und wird unterschiedlich beurteilt. Gegen einen schnellen Übergang wird angeführt, dass Fortschritt in vielen Bereichen an Experimente, Rechenkapazität, Datenerhebung und physische Prozesse gebunden ist, die sich nicht durch Denkgeschwindigkeit allein beschleunigen lassen.
Für die Plausibilität spricht aus Sicht der Befürworter die beobachtbare Beteiligung von KI-Systemen an ihrer eigenen Weiterentwicklung, etwa in der Softwareentwicklung.
Risikodebatte
Die sicherheitspolitische Aufmerksamkeit für ASI beruht auf zwei Thesen, die beide von Bostrom formuliert wurden. Die Orthogonalitätsthese besagt, dass Intelligenzniveau und Zielsetzung unabhängig voneinander variieren: Ein hochintelligentes System kann beliebige Ziele verfolgen, auch triviale oder zerstörerische.
Die These der instrumentellen Konvergenz besagt, dass sehr unterschiedliche Endziele ähnliche Zwischenziele nahelegen – Selbsterhaltung, Ressourcenerwerb, Widerstand gegen Zieländerung. Zusammen begründen sie die Position, dass die Ausrichtung eines Systems nicht mit dessen Leistungsfähigkeit von selbst mitwächst.
Kritik daran setzt an mehreren Punkten an: an der Übertragbarkeit des Optimierer-Modells auf tatsächliche Systeme, an der impliziten Annahme eines einheitlichen Zielsystems und an der Konzentration auf spekulative Zukunftsszenarien zulasten dokumentierter gegenwärtiger Schäden.
Verwendung durch Unternehmen
Ab 2025 verschob sich der Sprachgebrauch führender Anbieter. Meta gründete im Sommer 2025 die Meta Superintelligence Labs; OpenAI-Chef Sam Altman erklärte Anfang 2025, das Unternehmen richte sich nunmehr auf Superintelligenz aus, nachdem er zuvor AGI als Ziel benannt hatte.
Diese Verschiebung wird unterschiedlich gedeutet: als Ausdruck tatsächlich gewachsener Erwartungen oder als Reaktion darauf, dass AGI durch die eigene ökonomische Definition in Reichweite geriet und als Zielmarke an Signalwirkung verlor.
Abgrenzung
ASI ist von der Technologischen Singularität zu trennen: Diese bezeichnet einen Zeitpunkt, ab dem die weitere Entwicklung für Menschen nicht mehr vorhersehbar ist, und setzt ASI voraus, ist aber nicht mit ihr identisch. Vom Begriff der Superintelligenz im Sinne Bostroms unterscheidet sich ASI dadurch, dass Letzterer auch nicht-künstliche Formen einschließt, etwa biologisch verbesserte Kognition oder Kollektive.
Verwandte Begriffe
- AGI – vorgelagerte Stufe
- ANI – heute existierende, aufgabenspezifische KI
- Superintelligenz – philosophisch ausgearbeiteter Oberbegriff nach Bostrom
- Technologische Singularität – Zeitpunkt der Unvorhersehbarkeit weiterer Entwicklung
- Intelligenzexplosion – These rekursiver Selbstverbesserung nach Good
- Orthogonalitätsthese – Unabhängigkeit von Intelligenz und Zielsetzung
- Instrumentelle Konvergenz – konvergierende Zwischenziele unabhängig vom Endziel
- Existenzielles Risiko – Risikobegriff, der mit ASI verknüpft wird
Quellenangaben
- Bostrom, Nick, 2014. Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies.
- Good, Irving John, 1965. Speculations Concerning the First Ultraintelligent Machine. In: Advances in Computers 6, S. 31–88.
- Morris, Meredith Ringel / Sohl-Dickstein, Jascha / Fiedel, Noah / Warkentin, Tris / Dafoe, Allan / Faust, Aleksandra / Farabet, Clement / Legg, Shane (Google DeepMind) (2023): Levels of AGI for Operationalizing Progress on the Path to AGI. arXiv: 2311.02462.
- Russell, Stuart, 2019. Human Compatible: Artificial Intelligence and the Problem of Control.
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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026
Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.