Daniel Nadler ist ein kanadisch-US-amerikanischer Unternehmer.
Er ist Mitgründer und CEO von OpenEvidence. Die 2021 gegründete Plattform liefert Ärzt:innen KI-gestützte, auf Fachliteratur gestützte Antworten. Sie unterscheidet sich bewusst von allgemeinen Chatbots wie ChatGPT.
Zuvor gründete Nadler Kensho Technologies, ein Finanzanalyse-Unternehmen. 2018 verkaufte er es für 550 Millionen Dollar an S&P Global (TechCrunch 2018).
Zusammenfassung
Nadler wuchs als Sohn polnisch-rumänischer Einwanderer auf. An der Harvard University studierte er Mathematik, Klassische Philologie und Lyrik. 2016 promovierte er in Ökonomie mit einer Arbeit zur Preisbildung von Kreditderivaten.
Während seiner Promotion gründete er 2013 mit Peter Kruskall Kensho Technologies. Das Unternehmen automatisierte Finanzmarktanalysen mit maschinellem Lernen. 2018 verkaufte er es für 550 Millionen Dollar an S&P Global (TechCrunch 2018).
2021 gründeten Nadler und Informatiker Zachary Ziegler OpenEvidence. Das Produkt liefert Ärzt:innen Antworten auf klinische Fragen. Diese basieren auf lizenzierten Fachzeitschriften.
Bis Anfang 2026 wurde OpenEvidence zu einem der schnellsten verbreiteten KI-Werkzeuge im US-Gesundheitswesen. Die Bewertung erreichte zwölf Milliarden Dollar. Nadlers persönliches Vermögen wird auf 7,6 Milliarden geschätzt (Shrivastava 2026).
Das Unternehmen sieht sich kritischen Fragen gegenüber: Sind die Antworten zuverlässig? Der Interessenkonflikt der Pharmawerbung wird diskutiert.
Werdegang
Nadler ist Sohn eines Ingenieurs. Seine Eltern waren aus Polen und Rumänien eingewandert.
An Harvard studierte er Mathematik und Klassische Philologie. Er besuchte Lyrik-Seminare bei Pulitzer-Preisträgerin Jorie Graham. 2016 veröffentlichte er sein Gedichtband Lacunae: 100 Imagined Ancient Love Poems.
Parallel promovierte er in Ökonomie zur Preisbildung von Kreditderivaten. Während dieser Zeit war er Gastwissenschaftler bei der US-Notenbank Federal Reserve.
Als Doktorand gründete Nadler 2013 mit Peter Kruskall Kensho Technologies. Die Software durchsuchte und verknüpfte Finanzmarktdaten mit maschinellem Lernen. Sie funktionierte wie eine Suchmaschine für Börsenanalyst:innen.
2018 verkaufte Nadler Kensho für 550 Millionen Dollar an S&P Global (TechCrunch 2018). Dies war eine der größten KI-Übernahmen im Finanzsektor.
OpenEvidence: von der Gründung zur Milliardenbewertung
2021 gründeten Nadler und der Informatiker Zachary „Zack” Ziegler OpenEvidence. Ziegler war an Harvard im NLP-Labor von Alexander Rush tätig.
Anders als allgemeine Chatbots nutzt OpenEvidence lizenzierte medizinische Fachzeitschriften. Es liefert Antworten mit Quellenangaben. Dieser Ansatz bekämpft Halluzinationen in allgemeinen Sprachmodellen.
2024 wurde OpenEvidence KI-Partner des New England Journal of Medicine (NEJM). 2025 folgte eine Vereinbarung mit dem JAMA, das OpenEvidence Zugriff auf seine Inhalte gewährte.
Das Produkt ist für verifizierte Ärzt:innen kostenlos. Finanziert wird es durch Pharmawerbung auf der Plattform.
Anfang 2026 nutzte OpenEvidence über 750.000 Ärzt:innen. Das Unternehmen verzeichnete rund 20 Millionen Anfragen monatlich (ValueAddVC 2026). Es war in über 10.000 US-Kliniken und Krankenhäusern präsent (ValueAddVC 2026).
Zwischen Februar 2025 und Januar 2026 durchlief OpenEvidence vier Finanzierungsrunden. Die Series A brachte 75 Millionen Dollar bei einer Bewertung von einer Milliarde (ValueAddVC 2026). Die Series D brachte 250 Millionen Dollar bei zwölf Milliarden Bewertung (ValueAddVC 2026).
Zu den Investoren gehörten Google Ventures, Kleiner Perkins und Nvidia. Im Zuge des Wachstums verlegte OpenEvidence seinen Sitz von Cambridge nach Miami.
Nadler selbst wurde durch diesen Aufstieg laut Forbes-Schätzung vom Juli 2025 zum Milliardär (Feldman 2025); sein Vermögen wurde im Januar 2026 auf rund 7,6 Milliarden US-Dollar beziffert, gehalten über einen Anteil von schätzungsweise 60 Prozent am Unternehmen (Shrivastava 2026). 2025 und 2026 wurde er unter anderem auf die TIME100-Listen für Gesundheit und für Künstliche Intelligenz gewählt.
Kontroversen und Kritik
OpenEvidences zentrales Versprechen ist: Spezialisierte Modelle sind zuverlässiger als allgemeine Chatbots. 2026 geriet dieses Versprechen unter Druck.
Im Juni 2026 veröffentlichte Nature Medicine eine Studie der NYU Langone Health. Sie verglich OpenEvidence mit allgemeinen Modellen. Überraschend: Die spezialisierten Modelle schnitten bei bestimmten Aufgaben schlechter ab.
Eine weitere Pilotstudie (medRxiv-Preprint) testete komplexe Fälle. Sie fand deutlich geringere Trefferquoten als einfachere Szenarien.
Das Geschäftsmodell wird kritisiert. OpenEvidence ist kostenlos, aber von Pharmawerbung abhängig. Forscher:innen sehen einen Interessenkonflikt. Werbung könnte Verschreibungsentscheidungen unbewusst beeinflussen.
Die Haftungsfrage ist offen: Wer trägt Verantwortung bei medizinischen KI-Fehlern? Das Unternehmen, die Ärztin oder der Arzt? Diese Frage übersteigt OpenEvidence. Sie prägt die breitere Debatte um KI in der klinischen Entscheidung, die an Dringlichkeit zunimmt.
Verwandte Begriffe
- OpenAI – Anbieter einer kostenlosen, allgemeinen Konkurrenzanwendung für Kliniker:innen, gegen die sich OpenEvidence positioniert
- Large Language Models – die technische Grundlage, auf der auch OpenEvidences medizinisches Modell aufbaut
- Sam Altman – Gründer eines allgemeinen KI-Chatbot-Unternehmens, dessen Domänenbreite Nadlers Fachspezialisierung als Gegenmodell gegenübersteht
- Jensen Huang – CEO von Nvidia, das an mehreren Finanzierungsrunden von OpenEvidence beteiligt war
Quellenangaben
- Feldman, Amy, 2025. „This AI Founder Became A Billionaire By Building ‘ChatGPT For Doctors’“. Forbes, 15. Juli 2025. https://www.forbes.com/sites/amyfeldman/2025/07/15/this-ai-founder-became-a-billionaire-by-building-chatgpt-for-doctors/
- OpenEvidence, 2026. „Daniel Nadler” (Unternehmensbiografie). Time100 AI 2026. https://time.com/collection/time100-ai/2026/daniel-nadler/
- CNBC, 21. Januar 2026. „OpenEvidence, ‘ChatGPT for doctors,’ doubles valuation to $12 billion”. https://www.cnbc.com/2026/01/21/openevidence-chatgpt-for-doctors-doubles-valuation-to-12-billion.html
- MobiHealthNews, 2026. „OpenEvidence scores $250M, doubles valuation to $12B”. https://www.mobihealthnews.com/news/openevidence-scores-250m-doubles-valuation-12b
- MedCity News, Februar 2026. „Thunderstruck By OpenEvidence’s $12B Valuation? Don’t Be.” https://medcitynews.com/2026/02/openevidence-healthcare-valuation/
- ValueAddVC, 2026. „OpenEvidence Valuation 2026: $12B Round, 40% of US Doctors, and Why It Moved to Miami.” https://valueaddvc.com/blog/openevidence-valuation-2026-12b-round-40-percent-of-us-doctors-and-why-it-moved-to-miami
- STAT News, 29. Juli 2026. „Can doctors trust clinical AI? The complicated issue of LLM benchmarks.” https://www.statnews.com/2026/07/29/clinical-ai-vs-generalist-llm-benchmark-study-trust-accuracy-safety/
- Philip, S. u. a., 2026. „OpenEvidence” (Resource Review). Journal of the Medical Library Association. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12951846/
- Shrivastava, Rashi, 2026. „AI Founder Daniel Nadler Is Twice As Rich After OpenEvidence Hits $12 Billion Valuation”. Forbes, 21. Januar 2026. https://www.forbes.com/sites/rashishrivastava/2026/01/21/openevidence-founder-doubles-his-wealth-as-medical-ai-startup-hits-12-billion-valuation/
- TechCrunch, 7. März 2018. „S&P Global snares Kensho for $550 million”. https://techcrunch.com/2018/03/07/sp-global-snares-kensho-for-550-million/