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Doreen Bogdan-Martin

Doreen Bogdan-Martin ist seit Januar 2023 Generalsekretärin der International Telecommunication Union (ITU), der für Telekommunikation und Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) zuständigen Sonderorganisation der Vereinten Nationen.

Sie ist die erste Frau an der Spitze der 1865 gegründeten Organisation und prägt seit ihrer Wahl zunehmend die internationale Debatte über KI-Governance – unter anderem als Ausrichterin des jährlichen „AI for Good”-Gipfels in Genf.

Zusammenfassung

Bogdan-Martin verbrachte praktisch ihre gesamte berufliche Laufbahn innerhalb der ITU, die sie 1994 nach einer Station im US-Handelsministerium antrat. Über mehrere leitende Positionen in der Entwicklungsabteilung der Organisation stieg sie 2022 zur ersten weiblichen Generalsekretärin in der Geschichte der ITU auf.

Bei der Wahl in Bukarest setzte sich Bogdan-Martin deutlich gegen den russischen Kandidaten Rashid Ismailov durch, dessen Kandidatur von Russland und China unterstützt wurde. Ihr Amtsantritt fiel mit dem öffentlichen Durchbruch generativer KI zusammen, wodurch die ITU unter ihrer Führung neben ihrer klassischen Rolle in Telekommunikationsstandards und Konnektivität auch zu einem Forum für internationale KI-Governance wurde.

Sichtbar wird dies vor allem am „AI for Good”-Gipfel, den Bogdan-Martin 2017 mitbegründet hatte. Seit ihrem Amtsantritt gewinnt das Format an Gewicht.

Ihre inhaltliche Grundlinie ist die aus ihrer früheren Karriere stammende Sorge um die digitale Kluft. Sie mahnt an, dass die Vorteile von KI-Technologien nicht überwiegend Industrieländern und großen Technologiekonzernen zufallen dürften. Gleichzeitig verfügt ein großer Teil der Welt noch nicht einmal über verlässlichen Internetzugang.

Werdegang

Bogdan-Martin erwarb einen Bachelorabschluss an der University of Delaware und einen Masterabschluss in International Communications Policy an der American University in Washington, D.C. Ihre Ausbildung ergänzte sie um eine Führungskräftequalifikation am Institute for Management Development in Lausanne.

Vor ihrem Wechsel zur ITU arbeitete sie ab 1989 als Telekommunikationsspezialistin bei der National Telecommunications and Information Administration im US-Handelsministerium.

1994 trat sie der ITU bei und durchlief mehrere Positionen im Entwicklungssektor (ITU-D). Sie war an der Gründung des Global Symposium for Regulators beteiligt, leitete die Regulatory Reform Unit und später die Regulatory and Market Environment Division.

2008 wurde Bogdan-Martin Chief der Abteilung für strategische Planung und Mitgliederbeziehungen – nach ITU-Angaben die erste Frau in dieser Position. In dieser Rolle baute sie das Verbindungsbüro der ITU bei den Vereinten Nationen in New York auf.

Ab 2019 leitete sie als Direktorin das Telecommunication Development Bureau (BDT) der ITU, eine der drei operativen Kernabteilungen der Organisation.

Am 29. September 2022 wählten die Mitgliedstaaten der ITU auf der Plenipotentiary Conference in Bukarest Bogdan-Martin zur 20. Generalsekretärin. Sie erhielt 139 von 172 Stimmen. Ihr Gegenkandidat, der frühere russische Vize-Kommunikationsminister Rashid Ismailov, erhielt 25 Stimmen.

Beobachter werteten den Ausgang als Bekenntnis der Mitgliedstaaten zu einem multistakeholder-basierten, offenen Internetmodell. Dies stand im Kontrast zu einem stärker staatlich gelenkten Ansatz, für den Ismailov mit Unterstützung Russlands und mutmaßlich Chinas warb.

Am 1. Januar 2023 trat Bogdan-Martin ihr Amt an. Sie wurde damit erste Frau an der Spitze der ITU seit deren Gründung 1865. Ihr Stellvertreter ist Tomas Lamanauskas.

Neben ihrer ITU-Laufbahn baute Bogdan-Martin mehrere Initiativen zur digitalen Inklusion mit auf. Sie war über ein Jahrzehnt Exekutivdirektorin der Broadband Commission for Sustainable Development, einer gemeinsamen Initiative von ITU und UNESCO.

Sie war Mitgründerin der EQUALS Global Partnership für digitale Geschlechtergleichstellung, Mitentwicklerin des mit UNICEF betriebenen Schulanbindungsprogramms Giga und Initiatorin von Partner2Connect. Letztere ist eine Koalition zur Mobilisierung von Investitionen für den Internetzugang in unterversorgten Regionen.

Diese Initiativen bilden den inhaltlichen Unterbau für ihre spätere Positionierung in KI-Governance-Fragen. Für Bogdan-Martin ist der Zugang zu digitaler Infrastruktur die Voraussetzung dafür, dass Entwicklungsländer von KI-Fortschritt profitieren können.

Rolle in der internationalen KI-Governance

Bogdan-Martin gehörte 2017 zu den Mitbegründerinnen des „AI for Good”-Gipfels. Diese von der ITU ausgerichtete jährliche Konferenz in Genf fördert den Einsatz von KI für die UN-Nachhaltigkeitsziele und zählt mittlerweile zu einem der größten UN-nahen KI-Treffen.

Unter ihrer Führung als Generalsekretärin gewann das Format an politischem Gewicht. Beim Gipfel im Juli 2026 kündigten Bogdan-Martin gemeinsam mit Ruandas Präsident Paul Kagame und Salesforce-Chef Marc Benioff die Gründung der AI for Good Global Commission an.

Dieses hochrangige Beratungsgremium konzentriert sich auf globalen KI-Zugang, Vertrauen und Wirkung. Bogdan-Martin wird in Medienberichten als Mitwirkende der Kommission genannt.

Im Juli 2026 richtete die ITU gemeinsam mit der UNESCO in Genf den Global Dialogue on AI Governance aus. Dieses von den Vereinten Nationen mandatierte Forum wurde im Rahmen des UN Global Digital Compact eingerichtet.

Die ITU stellt mit der UNESCO das Sekretariat für zwei Institutionen bereit: das Dialogforum selbst und das Independent International Scientific Panel on AI. Die wissenschaftliche Leitung des Panels liegt bei Yoshua Bengio und Maria Ressa, die am 3. März 2026 zu Ko-Vorsitzenden gewählt wurden.

Bogdan-Martin selbst gehört dem Panel nicht an. Ihre Rolle beschränkt sich auf die institutionelle Gastgeberfunktion der ITU als Mitträgerin des Sekretariats.

Inhaltlich positioniert sich Bogdan-Martin für die Einbindung von Entwicklungsländern in globale KI-Standardsetzung. Sie tritt gegen eine Konzentration der KI-Vorteile auf wenige Industrieländer und Technologiekonzerne an.

Sie verweist regelmäßig auf ITU-Zahlen zur weltweiten Internetanbindung. Ihre zentrale Mahnung lautet: Ohne gezielte Investitionen wird ein Großteil der Welt vom KI-getriebenen Produktivitätsschub abgekoppelt.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. ITU: „Doreen Bogdan-Martin” (offizielle Biografie der Generalsekretärin). https://www.itu.int/en/osg/Pages/biography-itu-sg-doreen.aspx
  2. ITU BDT Director’s Corner (Archiv 2019–2022): „Doreen Bogdan-Martin Biography”. https://www.itu.int/en/ITU-D/bdt-director/Pages/archive/2019-2022/Biography.aspx
  3. RCR Wireless, 30. September 2022: „Bogdan-Martin elected to lead ITU”. https://www.rcrwireless.com/20220930/featured/bogdan-martin-elected-to-lead-itu
  4. ITU Newsroom, 2. Juli 2026: „Global leaders launch AI for Good Global Commission”. https://www.itu.int/en/mediacentre/Pages/PR-2026-07-02-AI-for-Good-Global-Commission.aspx
  5. ITU Hub, Juli 2026: „Global Dialogue addresses AI risks and disparities”. https://www.itu.int/hub/2026/07/global-ai-dialogue-calls-for-safe-and-inclusive-ai-that-benefits-all/
  6. UNESCO: „Global Dialogue on AI Governance, Geneva, 6–7 July”. https://www.unesco.org/en/articles/global-dialogue-ai-governance-geneva-6-7-july
  7. American University: „Changemaking Alumna Elected First Woman to Lead UN Technology Agency”. https://www.american.edu/news/american-university-doreen-bogdan-martin-itu-un.cfm

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