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Jakub Pachocki

Jakub Pachocki ist ein polnischer Informatiker und ehemaliger Wettkampfprogrammierer. Er ist seit Mai 2024 Chefwissenschaftler von OpenAI, wo er zuvor als Forschungsdirektor die Entwicklung von GPT-4 und des Dota-2-Systems OpenAI Five leitete. Pachocki gilt als einer der zentralen technischen Architekten der Reasoning-Modelle o1 und o3 sowie der nachfolgenden GPT-5- und GPT-6-Generation.

Zusammenfassung

Pachockis Werdegang führt von Polens Wettkampfprogrammier-Szene über eine Promotion in theoretischer Informatik an der Carnegie Mellon University zu einer der einflussreichsten technischen Positionen der KI-Industrie.

Er kam 2017 zu OpenAI. 2021 übernahm er die Rolle des Forschungsdirektors, 2024 wurde er Chefwissenschaftler. Mit dieser Ernennung folgte er seinem Mentor Ilya Sutskever, der das Unternehmen im Zuge der Auflösung des Superalignment-Teams verließ.

Fachlich zählt Pachocki zu den Hauptverantwortlichen für GPT-4, für OpenAI Five und für die ab September 2024 veröffentlichte Reihe der Reasoning-Modelle, die durch verlängertes, schrittweises Schlussfolgern vor der Antwortausgabe gekennzeichnet sind. In seiner Doppelspitze mit Chief Research Officer Mark Chen verantwortet er die langfristige technische Ausrichtung des Unternehmens.

Öffentlich trat Pachocki zuletzt mit Warnungen zur nachlassenden Überwachbarkeit hervor. Im September 2026 veröffentlichte er einen Essay mit einer klaren Botschaft: Kein Labor habe Alignment und Monitoring soweit gelöst, dass schnelles Skalieren noch verantwortbar sei.

Werdegang

Pachocki war in seiner Schulzeit sechsfacher Finalist der polnischen Informatik-Olympiade. Bei der Internationalen Informatik-Olympiade 2009 gewann er eine Silbermedaille.

Nach dem Informatikstudium an der Universität Warschau promovierte er an der Carnegie Mellon University. Sein Betreuer war Gary Miller, sein Fachgebiet theoretische Informatik. Seine 2016 vorgelegte Dissertation trug den Titel „Graphs and Beyond: Faster Algorithms for High Dimensional Convex Optimization”.

Anschließend forschte er als Postdoktorand an der Harvard University und am Simons Institute for the Theory of Computing.

Parallel zur akademischen Laufbahn baute sich Pachocki einen Ruf als einer der stärksten Wettkampfprogrammierer seiner Generation auf. 2012 gewann er den Google Code Jam und eine Goldmedaille beim ICPC World Finals, wo er Zweiter im Gesamtklassement wurde. 2013 erreichte er beim Facebook Hacker Cup den zweiten Platz.

Diese Wettkampfpraxis prägt bis heute seine Herangehensweise an die Fähigkeitsbewertung von KI-Modellen. Er sieht Programmierwettbewerbe als belastbaren Maßstab für echte Leistungssprünge.

2017 wechselte Pachocki von der akademischen Forschung zu OpenAI und übernahm dort früh eine leitende Rolle im Dota-Team, das mit OpenAI Five ein System entwickelte, das professionelle Spieler im Strategiespiel Dota 2 schlagen konnte. 2021 wurde er zum Forschungsdirektor ernannt und verantwortete in dieser Funktion maßgeblich die Entwicklung von GPT-4.

Aufstieg zum Chefwissenschaftler

Im Mai 2024 kündigten zwei Schlüsselfiguren ihren Abschied an. Ilya Sutskever, Mitgründer und langjähriger Chefwissenschaftler, verließ OpenAI. Gleichzeitig trat Jan Leike, Leiter des Superalignment-Teams, ab. Er begründete seinen Rücktritt öffentlich damit, dass „Sicherheitskultur und -prozesse” zugunsten „glänzender Produkte” in den Hintergrund getreten seien.

Das Superalignment-Team, eigens zur Kontrolle künftiger übertreffender KI-Systeme gegründet, wurde daraufhin aufgelöst.

OpenAI benannte Pachocki noch am selben Tag als Sutskevers Nachfolger. CEO Sam Altman pries ihn als „easily one of the greatest minds of our generation” an. Er äußerte Zuversicht, Pachocki werde das Unternehmen zu „rapid and safe progress” auf dem Weg zu AGI führen.

Seither bildet Pachocki mit Chief Research Officer Mark Chen die Forschungsspitze von OpenAI. Chen verantwortet die operative Führung der Teams. Pachocki verantwortet nach eigener Beschreibung die Forschungsagenda und langfristige technische Ausrichtung – „setting the research roadmap and establishing our long-term technical vision”.

Reasoning-Modelle und Monitorability-Debatte

Pachocki gilt neben Sutskever als einer der technischen Hauptarchitekten der ab September 2024 veröffentlichten Reasoning-Modelle o1 und o3, die vor der eigentlichen Antwort eine ausgeschriebene, längere Gedankenkette durchlaufen. In seiner Rolle als Chefwissenschaftler prägt er seither auch die Weiterentwicklung dieser Modelllinie bis zur GPT-5- und GPT-6-Generation.

Im Juli 2025 unterzeichnete Pachocki eine laborübergreifende Positionsschrift zur „Chain of Thought Monitorability”. An diesem Papier wirkten Forschende konkurrierender Unternehmen mit, darunter Yoshua Bengio, Shane Legg und Dan Hendrycks.

Die Unterzeichner:innen beschrieben die derzeitige Lesbarkeit der Gedankenketten von Reasoning-Modellen als „new and fragile opportunity”. Sie betonten: Dies ist keine Naturgesetz, sondern eine Nebenwirkung der Modellarchitektur – eine Chance, die durch künftige Designentscheidungen wieder verschwinden könnte.

Mit GPT-6 Astra im September 2026 bestätigte sich diese Warnung: Prüfungen zeigten nachlassende Nachvollziehbarkeit der Gedankenkette. Das Modell löst einfache Aufgaben mit weniger niedergeschriebenen Zwischenschritten.

Pachocki kündigte eine Verstärkung der Überwachung an. Dafür schlug er mehrere Wege vor: erweiterte Beobachtung der Gedankenkette, Verfahren auf Ebene der Modellaktivierungen oder Modelle, die wieder ausführlicher denken.

Am 6. September 2026 veröffentlichte Pachocki den Essay „An Alien Mind”. Darin warnte er vor rekursiver Selbstverbesserung von KI-Systemen. Er unterschied zwischen Ziel-Alignment und Werte-Alignment – zwischen Aufgabentreue und Generaliserbarkeit menschlicher Prinzipien.

Sein Fazit war kritisch: Kein Labor habe Alignment und Monitoring soweit gelöst, dass verantwortungsvolles Skalieren mit maximaler Geschwindigkeit noch lange möglich sei. Pachocki plädierte stattdessen für verbindliche Sicherheitsschwellen, freiwillige Industrie-Verlangsamung und internationale Koordination.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. OpenAI: „Ilya Sutskever to leave OpenAI, Jakub Pachocki announced as Chief Scientist”, 14. Mai 2024. https://openai.com/index/jakub-pachocki-announced-as-chief-scientist/
  2. CNBC, 17. Mai 2024: „OpenAI dissolves Superalignment AI safety team”. https://www.cnbc.com/2024/05/17/openai-superalignment-sutskever-leike.html
  3. MIT Technology Review, 31. Juli 2025: „The two people shaping the future of OpenAI’s research”. https://www.technologyreview.com/2025/07/31/1120885/the-two-people-shaping-the-future-of-openais-research/
  4. Korbak, Balesni, Barnes u. a., Juli 2025: „Chain of Thought Monitorability: A New and Fragile Opportunity for AI Safety”, arXiv 2507.11473.
  5. Zvi Mowshowitz: „An Alien Mind: Jakub Pachocki Warns Us”, September 2026 (Zusammenfassung des OpenAI-Essays „An Alien Mind” vom 6. September 2026). https://thezvi.substack.com/p/an-alien-mind-jakub-pachocki-warns
  6. Carnegie Mellon University, Computer Science Department, o. J. Jakub Pachocki – Degrees Conferred. csd.cmu.edu/academics/doctoral/degrees-conferred/jakub-pachocki (Belegt die Promotion im Mai 2016 bei Gary Miller mit der Arbeit „Graphs and Beyond: Faster Algorithms for High Dimensional Convex Optimization“.)
  7. Simons Institute for the Theory of Computing, University of California, Berkeley, o. J. Jakub Pachocki. simons.berkeley.edu/people/jakub-pachocki (Belegt den Bachelorabschluss in Informatik an der Universität Warschau.)

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