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Lisa Su

Lisa Su (chinesisch 蘇姿丰; * 7. November 1969 in Tainan, Taiwan) ist eine taiwanisch-US-amerikanische Managerin und Elektroingenieurin. Sie ist seit Oktober 2014 Präsidentin und CEO sowie seit Februar 2022 zusätzlich Chair des Verwaltungsrats von AMD (Advanced Micro Devices). Unter ihrer Führung entwickelte sich das zuvor wirtschaftlich angeschlagene Unternehmen zum zweitgrößten Anbieter von KI-Beschleunigerchips hinter Nvidia und zu einer der zentralen Adressen für Rechenleistung beim Training und Betrieb großer KI-Modelle.

Zusammenfassung

Su übernahm AMD 2014 in einer Phase, in der das Unternehmen gegen Intel im PC-Prozessormarkt strukturell zurückgefallen war und um seine Existenz kämpfte. Über eine Neuausrichtung auf die Ryzen- und EPYC-Prozessorfamilien führte sie das Unternehmen binnen eines Jahrzehnts zu einer Marktkapitalisierung, die zeitweise die von Intel überstieg – ein historischer Rollentausch der beiden langjährigen Rivalen.

Mit dem KI-Boom nach 2022 positionierte Su AMD als zweite Bezugsquelle neben Nvidia für die Grafikprozessoren, auf denen KI-Modelle trainiert und betrieben werden. Die Instinct-MI-Beschleunigerreihe (unter anderem MI300, MI350 und MI400/MI450) sowie das offene Software-Ökosystem ROCm, AMDs Antwort auf Nvidias CUDA, bilden den Kern dieser Strategie. Ende 2025 und im Verlauf 2026 schloss AMD mehrere Großaufträge ab, darunter eine milliardenschwere Vereinbarung mit OpenAI, die dem KI-Unternehmen im Gegenzug Aktienoptionen auf bis zu zehn Prozent von AMD einräumt.

Sus Mutter und Nvidia-CEO Jensen Huang sind Cousinen ersten Grades; Su und Huang selbst sind damit Cousine und Cousin – beide Unternehmen, deren Chefs verwandtschaftlich verbunden sind, stehen sich damit als die beiden dominierenden Anbieter im KI-Beschleunigermarkt gegenüber. Trotz der Fortschritte bleibt Nvidias Software-Vorsprung durch CUDA die zentrale Hürde, an der sich AMDs weiterer Aufstieg im KI-Geschäft entscheidet.

Werdegang

Su wurde 1969 in Tainan, Taiwan, geboren und wanderte im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie in die USA aus; sie wuchs im New Yorker Stadtteil Queens auf. Nach dem Abschluss der Bronx High School of Science studierte sie Elektrotechnik am Massachusetts Institute of Technology (MIT), wo sie 1991 den Master- und 1994 den Doktorgrad erwarb; ihre Dissertation behandelte Silicon-on-Insulator-MOSFETs.

Ihre Industriekarriere begann Su 1994 bei Texas Instruments, bevor sie 1995 zu IBM wechselte. Dort war sie an der Entwicklung der Kupfer-Verbindungstechnik für Halbleiter beteiligt, stieg zur technischen Assistentin des IBM-CEOs auf und gründete später die Emerging-Products-Sparte des Unternehmens, aus der unter anderem der gemeinsam mit Sony und Toshiba entwickelte Cell-Prozessor der PlayStation 3 hervorging. 2007 wechselte sie als Chief Technology Officer zu Freescale Semiconductor, wo sie die Forschungs- und Entwicklungsstrategie im Netzwerk- und Multimedia-Segment verantwortete.

2012 wechselte Su zu AMD, zunächst als Senior Vice President für die globalen Geschäftsbereiche, ab 2014 als Chief Operating Officer. Im Oktober 2014 wurde sie zur Präsidentin und CEO ernannt, im Februar 2022 übernahm sie zusätzlich den Vorsitz des Verwaltungsrats.

Die Sanierung von AMD

Beim Amtsantritt 2014 lag AMDs Marktkapitalisierung bei rund drei Milliarden US-Dollar, das Unternehmen kämpfte mit Marktanteilsverlusten gegenüber Intel und wiederholten Verlustquartalen. Su richtete die Produktentwicklung neu aus, ließ die Ryzen-Prozessorarchitektur für Consumer-PCs und die EPYC-Serverprozessoren von Grund auf neu entwickeln und stellte damit erstmals seit Jahren eine wettbewerbsfähige Alternative zu Intels Prozessoren bereit. Bis Mitte der 2020er Jahre stieg AMDs Marktkapitalisierung auf mehrere hundert Milliarden US-Dollar; zeitweise überholte das Unternehmen damit Intel im Börsenwert – ein Rollentausch, der 2014 kaum vorstellbar gewesen wäre. Su wurde für diese Wende 2024 von der Zeitschrift Time zur CEO des Jahres gewählt und erhielt 2021 als erste Frau die IEEE Robert N. Noyce Medal.

KI-Beschleuniger: Instinct, ROCm und der Wettlauf gegen Nvidia

Mit dem durch ChatGPT ausgelösten Nachfrageboom nach KI-Rechenleistung positionierte Su AMD als zweite große Bezugsquelle für GPU-Beschleuniger neben Nvidia. Die Instinct-MI-Reihe – von der MI300-Generation über MI350 bis zur 2026 ausgelieferten MI400/MI450-Generation mit HBM4-Speicher – bildet dabei das Kernprodukt; das zugehörige Helios-Racksystem bündelt mehrere Dutzend Beschleuniger zu Recheneinheiten für Hyperscaler-Rechenzentren. Anders als Nvidias geschlossenes CUDA-Ökosystem setzt AMD mit ROCm auf eine offene Software-Plattform, die nach Einschätzung von Branchenanalysten bis 2026 deutlich an Reife gewann, ohne Nvidias Vorsprung vollständig zu schließen.

Im Oktober 2025 schloss AMD eine mehrjährige, mehrere Chipgenerationen umfassende Vereinbarung mit OpenAI über die Lieferung von bis zu sechs Gigawatt an Instinct-Rechenkapazität, beginnend mit einem Gigawatt MI450-Kapazität ab der zweiten Jahreshälfte 2026. Im Gegenzug erhielt OpenAI einen Optionsschein (Warrant) auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien zum Ausübungspreis von einem US-Cent (Tom’s Hardware 2025), der bei vollständiger Ausübung einer Beteiligung von rund zehn Prozent an AMD entspräche; die Ausübung ist an Liefermeilensteine und den AMD-Aktienkurs gekoppelt. Die Ankündigung ließ die AMD-Aktie an einem einzelnen Handelstag um rund 24 Prozent steigen (CNBC 2025), den stärksten Tagesgewinn seit 2016. Nach Marktanteilsschätzungen für 2026 hält Nvidia weiterhin einen deutlich größeren Anteil am Markt für KI-Beschleuniger, AMD gilt jedoch als zweitgrößter Anbieter und wird von Hyperscalern zunehmend als ernsthafte Alternative zur Diversifizierung der Lieferkette eingesetzt.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Time, 11. Dezember 2024: „Lisa Su Is TIME’s 2024 CEO of the Year”. https://time.com/7200909/ceo-of-the-year-2024-lisa-su/
  2. OpenAI: „OpenAI and AMD announce strategic partnership to deploy 6 gigawatts of AMD GPUs”. https://openai.com/index/openai-amd-strategic-partnership/
  3. AMD Investor Relations: „AMD and OpenAI Announce Strategic Partnership to Deploy 6 Gigawatts of AMD GPUs”. https://ir.amd.com/news-events/press-releases/detail/1260/amd-and-openai-announce-strategic-partnership-to-deploy-6-gigawatts-of-amd-gpus
  4. Tom’s Hardware, 2025: „OpenAI signs AMD deal for 6GW of AI GPUs with a massive equity kicker, OpenAI to obtain up to 160 million AMD shares at one cent apiece”. https://www.tomshardware.com/pc-components/gpus/openai-signs-6gw-amd-gpu-deal
  5. CNBC: „OpenAI looks to take 10% stake in AMD through AI chip deal”, 6. Oktober 2025. https://www.cnbc.com/2025/10/06/openai-amd-chip-deal-ai.html
  6. AMD Newsroom: „AMD and its Partners Share their Vision for ‘AI Everywhere, for Everyone’ at CES 2026”. https://www.amd.com/en/newsroom/press-releases/2026-1-5-amd-and-its-partners-share-their-vision-for-ai-ev.html

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