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Microsoft

Microsoft ist ein US-amerikanischer Technologiekonzern mit Sitz in Redmond, Washington. In der KI-Debatte ist er vor allem als Hauptpartner und größter Einzelanteilseigner von OpenAI bedeutsam; die vertragliche Ausgestaltung dieser Beziehung hat den Begriff AGI erstmals zu einer rechtlich folgenreichen Größe gemacht.

Zusammenfassung

Microsoft investierte ab 2019 in OpenAI und stellte über die Cloud-Plattform Azure die Rechengrundlage bereit, auf der GPT-3, GPT-4 und ChatGPT entstanden.

Aus der Verbindung entstand eine Konstellation ohne Vorbild: Ein börsennotierter Konzern hält Rechte an den Modellen einer Organisation, deren Satzung ein gemeinnütziges Ziel verfolgt – und in deren Verträgen das Erreichen von AGI als Bedingung wirkt.

Nach OpenAIs Umstrukturierung im Oktober 2025 hält Microsoft rund 27 Prozent an der neu gebildeten OpenAI Group PBC. Eine wesentliche Änderung betrifft die Feststellung von AGI: Sie liegt nicht mehr beim Vorstand von OpenAI, sondern bei einem unabhängigen Expertengremium.

Verbindung zu OpenAI

Jahr Ereignis
2019 erste Investition, Beginn der Azure-Partnerschaft
2023 Ausbau der Beteiligung nach dem Erfolg von ChatGPT
Nov. 2023 Absetzung Altmans; Microsoft kündigt Aufnahme von Altman und Brockman an
Okt. 2025 Umstrukturierung: rund 27 Prozent an der OpenAI Group PBC
2026 Lockerung der Exklusivität, Wegfall der Cloud-Bindung

Microsofts direkte Kapitalbeteiligung wird mit rund 13,8 Milliarden US-Dollar angegeben; rechnet man Rechenleistungszusagen und Sachleistungen hinzu, nennt eine Zeugenaussage eines Microsoft-Managers einen kumulativen Aufwand von über 100 Milliarden US-Dollar (Bloomberg, 13. Mai 2026); der Anteil nach der Rekapitalisierung wurde mit etwa 135 Milliarden US-Dollar bewertet.

In der vorherigen Struktur hatte Microsoft rund 32,5 Prozent an der gewinnorientierten Einheit gehalten.

Bei der Absetzung Sam Altmans im November 2023 trat Microsoft als entscheidender Akteur auf: Konzernchef Satya Nadella kündigte an, Altman und Greg Brockman würden ein neues KI-Team bei Microsoft leiten – eine Ankündigung, die den Druck auf den OpenAI-Vorstand erheblich erhöhte und zu Altmans Rückkehr beitrug.

Die AGI-Klausel

Der ursprüngliche Vertrag enthielt eine Bestimmung, die das Erreichen von AGI als Zäsur behandelte: Ab diesem Punkt hätte Microsoft den Zugang zu künftigen Modellen verloren. Die Feststellung, ob AGI erreicht sei, lag beim Vorstand von OpenAI. Zusätzlich war AGI in einer Nebenabrede an eine Gewinnschwelle von 100 Milliarden US-Dollar gebunden – ein wirtschaftliches statt technisches Kriterium.

Die Neuregelung von Oktober 2025 änderte dies in mehreren Punkten:

Die Konstruktion ist ein bemerkenswerter Vorgang: Ein wissenschaftlich umstrittener und uneinheitlich definierter Begriff wird zur Bedingung in einem Vertrag über dreistellige Milliardenbeträge – und die Feststellung seines Eintritts wird einem eigens einzurichtenden Gremium übertragen.

Weitere KI-Tätigkeit

Microsoft integriert Sprachmodelle unter der Bezeichnung Copilot in Windows, Office und die Entwicklungsumgebung GitHub. Azure AI stellt Modelle als Cloud-Dienst bereit, seit der Lockerung der Exklusivität auch solche anderer Anbieter.

Daneben betreibt der Konzern eigene Forschung: Microsoft Research veröffentlichte 2023 den Aufsatz Sparks of AGI, und die Phi-Modellreihe verfolgt den Ansatz kleiner, mit sorgfältig ausgewählten Daten trainierter Modelle.

Einordnung und Kritik

Microsofts Stellung wird unter zwei Gesichtspunkten kritisch diskutiert.

Wettbewerb. Die Verbindung von Cloud-Infrastruktur, Modellzugang und Verbreitung über Betriebssystem und Bürosoftware ermöglicht eine Marktdurchdringung, die Wettbewerbern ohne vergleichbare Plattformen verschlossen bleibt. Kartellbehörden mehrerer Rechtsräume haben die Partnerschaft geprüft.

Governance. Die Vorgänge von November 2023 machten sichtbar, dass die gemeinnützige Aufsichtsstruktur von OpenAI gegenüber den wirtschaftlichen Abhängigkeiten begrenzt durchsetzungsfähig war. Die spätere Umwandlung in eine Public Benefit Corporation wird teils als Anerkennung dieser Lage, teils als Abkehr vom ursprünglichen Auftrag gelesen.

Absicherung nach mehreren Seiten

Bemerkenswert an Microsofts Vorgehen ist, dass die Bindung an einen einzelnen Modellanbieter nie exklusiv gedacht war. Parallel zur Partnerschaft baute der Konzern eine eigene Forschungslinie mit kleineren, effizient trainierbaren Modellen auf, nahm konkurrierende Anbieter in seine Cloud-Plattform auf, warb Fachleute aus anderen Häusern an und entwickelte eigene Beschleuniger.

Die Logik dahinter ist die eines Plattformbetreibers. Für ein Unternehmen, dessen Geschäft darin besteht, Rechenkapazität und Software zu vermieten, ist es zweitrangig, wessen Modell darauf läuft – entscheidend ist, dass es dort läuft. Die Bindung an einen Anbieter sichert den Zugriff auf die jeweils stärksten Modelle; die Vielfalt daneben sichert gegen den Fall, dass dieser Anbieter zurückfällt, die Bedingungen verschlechtert oder in eine Krise gerät.

Aus dieser Doppelstrategie erklärt sich auch die ungewöhnliche Vertragslage. Wechselseitige Zugeständnisse – Nutzungsrechte an Modellen, Umsatzbeteiligungen, Klauseln über den Fall künftiger Fähigkeitssprünge – binden beide Seiten so eng, dass ein Bruch für keine mehr kostenlos wäre, ohne dass eine der beiden vollständig auf die andere angewiesen bliebe.

Kritiker sehen darin eine Konstruktion, die den wirtschaftlichen Nutzen einer Übernahme erzielt, ohne deren kartellrechtliche Prüfung auszulösen.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Bubeck, Sébastien / Chandrasekaran, Varun / Eldan, Ronen / Gehrke, Johannes / Horvitz, Eric / Kamar, Ece / Lee, Peter / Lee, Yin Tat / Li, Yuanzhi / Lundberg, Scott / Nori, Harsha / Palangi, Hamid / Ribeiro, Marco Tulio / Zhang, Yi (Microsoft Research) (2023): Sparks of Artificial General Intelligence: Early Experiments with GPT-4. arXiv: 2303.12712.
  2. Computing (2025): Microsoft takes 27% stake as OpenAI becomes public benefit corporation. 30. Oktober 2025.
  3. heise online (2025): Microsoft and OpenAI agree on new partnership rules. 28. Oktober 2025.
  4. Microsoft, 2025. The Next Chapter of the Microsoft-OpenAI Partnership. Microsoft Blog, 28. Oktober 2025. blogs.microsoft.com.
  5. OpenAI (2018): OpenAI Charter. https://openai.com/charter/

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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026

Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.