Thinking Machines Lab ist ein im Februar 2025 gegründetes US-amerikanisches KI-Unternehmen unter Leitung von Mira Murati, bekannt für die bislang größte Seed-Finanzierung der Branchengeschichte und einen folgenreichen Rückzug mehrerer Gründungsmitglieder zu OpenAI Anfang 2026.
Zusammenfassung
Murati, bis 2024 Chief Technology Officer bei OpenAI, gründete das Unternehmen zusammen mit fünf weiteren ehemaligen OpenAI-Führungskräften. Im Juli 2025 sammelte Thinking Machines Lab zwei Milliarden US-Dollar Seed-Kapital bei einer Bewertung von zwölf Milliarden US-Dollar ein – die größte Seed-Runde, die je ein Start-up erzielt hat.
Im Oktober 2025 veröffentlichte das Unternehmen mit Tinker sein erstes Produkt: eine Plattform zum Fine-Tuning offener Modelle für Forschende und Entwicklerteams. Verhandlungen über eine Anschlussfinanzierung bei bis zu fünfzig Milliarden US-Dollar Bewertung scheiterten im Januar 2026 – im selben Monat kehrten drei Gründungsmitglieder zu OpenAI zurück.
Am 15. Juli 2026 folgte mit Inkling das erste eigene Modell, veröffentlicht mit offenen Gewichten. Es nimmt Text, Bild und Ton entgegen und gibt Text aus. Technisch ist es eine Mischung von Fachmodellen mit 975 Milliarden Parametern insgesamt, von denen je Aufgabe rund 41 Milliarden aktiv sind; trainiert wurde auf 45 Billionen Token aus Text, Bild, Ton und Video (Thinking Machines Lab 2026).
Zwei Eigenschaften hebt das Unternehmen hervor, und sie entsprechen seiner erklärten Haltung gegen Einheitsmodelle: Inkling soll seine Antworten kalibrieren, also Unsicherheit kenntlich machen statt zu raten. Und die Anwendung kann den Denkaufwand herunterregeln, wenn Geschwindigkeit wichtiger ist als Gründlichkeit.
Noch im selben Monat erschien die kleinere Fassung Inkling-Small mit 276 Milliarden Parametern, davon 12 Milliarden aktiv (Thinking Machines Lab 2026).
Geschichte
Murati verließ OpenAI im September 2024 nach sechs Jahren als CTO. Im Februar 2025 stellte sie Thinking Machines Lab offiziell vor. Das Gründungsteam bestand ausschließlich aus früheren OpenAI-Führungskräften: OpenAI-Mitgründer John Schulman als Chefwissenschaftler, Barret Zoph (zuvor Vice President of Research bei OpenAI) als Technikchef, dazu Lilian Weng, Andrew Tulloch und Luke Metz.
Die Seed-Runde im Juli 2025 brachte zwei Milliarden US-Dollar bei zwölf Milliarden US-Dollar Bewertung – finanziert unter anderem von Andreessen Horowitz, Nvidia und AMD, ergänzt um eine kleinere Beteiligung der albanischen Regierung. Im Oktober 2025 folgte mit Tinker das erste öffentliche Produkt.
Im November 2025 verhandelte das Unternehmen über eine neue Finanzierungsrunde bei einer Bewertung von 50 bis 60 Milliarden US-Dollar (Bloomberg 2025). Die Gespräche scheiterten bis Januar 2026 ohne Abschluss, die Bewertung blieb bei zwölf Milliarden US-Dollar aus der Seed-Runde stehen.
Am 14. Januar 2026 gab Murati bekannt, sich von Mitgründer und Technikchef Barret Zoph zu trennen. Innerhalb weniger Stunden tauchten Zoph sowie die Forscher Luke Metz und Sam Schoenholz wieder bei OpenAI auf, wo sie öffentlich willkommen geheißen wurden. Im Juli 2026 verließ auch Mitgründerin Lilian Weng das Unternehmen und kehrte unter Verweis auf gesundheitliche Belastungen zu OpenAI zurück – von den sechs Gründungsmitgliedern blieben damit nur noch Murati und Schulman.
Arbeitsschwerpunkte
Tinker richtet sich an Forschende und Entwicklerteams, die offen verfügbare Modelle für eigene Zwecke per Fine-Tuning anpassen wollen, ohne die dafür nötige Trainingsinfrastruktur selbst zu betreiben. Das Unternehmen positioniert sich damit als Infrastrukturanbieter für individuell zugeschnittene Modelle, nicht als Entwickler eines eigenen Flaggschiff-Chatbots.
Laut Schulman plant Thinking Machines Lab für 2026 zusätzlich die Veröffentlichung eigener Modelle sowie multimodale Erweiterungen von Tinker.
Kontroversen und Kritik
Der Massenabgang im Januar 2026 – drei von sechs Gründungsmitgliedern kehrten binnen weniger Tage zu OpenAI zurück, nur sechs Monate nach der Rekord-Finanzierung – beschädigte den Ruf des Unternehmens erheblich. Berichten zufolge soll Zoph vertrauliche Informationen an Konkurrenten weitergegeben haben; OpenAI bestritt diesen Vorwurf öffentlich.
Als tiefere Ursachen werden länger schwelende Uneinigkeiten über Produktrichtung und die Verwendung der zwei Milliarden US-Dollar Startkapital genannt, dazu attraktive Rückkehrangebote von OpenAI und mutmaßlich begrenzter Zugang zu Rechenkapazität bei Thinking Machines Lab selbst.
Der Vorgang wirft grundsätzlichere Fragen auf: ob milliardenschwere Bewertungen, die überwiegend auf dem Ruf einzelner Gründungspersönlichkeiten beruhen, tragfähig sind, wenn genau diese Personen das Unternehmen wieder verlassen.
Stand 2025/2026
Die Bewertung liegt weiterhin bei zwölf Milliarden US-Dollar – dem Stand der Seed-Runde vom Juli 2025, nachdem die im November 2025 verhandelte Vervierfachung auf bis zu fünfzig Milliarden US-Dollar nicht zustande kam. Von den ursprünglich sechs Gründungsmitgliedern sind nach den Abgängen von Zoph, Metz, Schoenholz und Weng nur noch Murati und Schulman im Unternehmen.
Verwandte Begriffe
- Safe Superintelligence Inc. – ähnlich hoch bewertetes Konkurrenzunternehmen eines weiteren OpenAI-Alumnus
- Meta Superintelligence Labs – zeitgleich entstandene Konkurrenz-Sparte mit ähnlichem Muster an Milliardenabwerbungen
Quellenangaben
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Thinking Machines Lab, 2026. Inkling: Our Open-Weights Model. thinkingmachines.ai, 15. Juli 2026. https://thinkingmachines.ai/news/introducing-inkling/
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Wiggers, Kyle, 2026. Thinking Machines Amps Up Its Bet against One-Size-Fits-All AI with Its First Open Model, Inkling. TechCrunch, 15. Juli 2026.
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Fortuna, 2025. Former OpenAI CTO Mira Murati Finally Unveils Her Thinking Machines Lab Startup. fortune.com, 18. Februar 2025.
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Bloomberg, 2025. Murati’s Thinking Machines in Funding Talks at $50 Billion Value. bloomberg.com, 13. November 2025.
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Fortune, 2026. Mira Murati, Thinking Machines Staff Defections to OpenAI: Zoph, Metz, Schoenholz. fortune.com, 16. Januar 2026.
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American Bazaar, 2026. Lilian Weng Leaves Thinking Machines to Rejoin OpenAI Amid Health Struggles. americanbazaaronline.com, 30. Juli 2026.
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Built In, 2026. Inside Thinking Machines Lab, Mira Murati’s New AI Startup. builtin.com.