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Animal Ethics

Animal Ethics ist eine im Jahr 2012 in Oakland, Kalifornien, gegründete gemeinnützige Organisation, die sich für die moralische Berücksichtigung aller empfindungsfähigen Lebewesen einsetzt.

Sie kritisiert Speziesismus – die Benachteiligung von Lebewesen allein aufgrund ihrer Artzugehörigkeit – als ethisch unbegründet.

Besonderes Augenmerk richtet sie dabei auf das Leiden wild lebender Tiere, das durch Hunger, Krankheit, Predation und andere natürliche Prozesse entsteht. Dieses Leiden wird traditionell weder von der Tierrechtsbewegung noch vom Naturschutz systematisch adressiert.

Gegründet wurde die Organisation von Daniel Dorado, Oscar Horta und Leah McKelvie; sie ist als 501(c)(3)-Organisation nach US-amerikanischem Recht eingetragen. Horta, Philosophieprofessor an der Universidade de Santiago de Compostela, zählt zu den zentralen akademischen Vertretern der Wild Animal Welfare-Forschung.

Animal Ethics produziert Bildungsmaterialien, betreibt Advocacy-Arbeit in mehreren Ländern und fördert Welfare Biology als akademisches Forschungsfeld. Ihre Website und Materialien liegen in einer für eine Organisation dieser Größe ungewöhnlich hohen Zahl an Sprachen vor, darunter Englisch, Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Deutsch, Arabisch, Chinesisch, Hindi, Italienisch, Japanisch, Polnisch, Rumänisch und Telugu.

Zusammenfassung

Animal Ethics versteht sich in erster Linie als Bildungs- und Advocacy-Organisation, nicht als Forschungsinstitut im engeren Sinn.

Im Zentrum stehen mehrsprachige Lernmaterialien zu Speziesismus, Empfindungsfähigkeit und dem moralischen Status von Tieren, die sich sowohl an ein allgemeines Publikum als auch an Lehrende und Studierende richten. Ergänzt wird dieses Angebot durch akademische Kooperationen – etwa einen Onlinekurs mit der Universidade Federal de Uberlândia in Brasilien zum moralischen Schaden des Todes für empfindungsfähige Wesen.

Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf dem Leiden wild lebender Tiere. Die Organisation vertritt die These, dass die Menge des durch natürliche Ursachen verursachten Tierleids das durch Menschen verursachte Leid quantitativ deutlich übersteigt und deshalb keine geringere moralische Dringlichkeit besitzt.

Dazu vergab Animal Ethics 2015 und 2017 Essaypreise zu Wild Animal Suffering und veröffentlichte 2020 einen 28-teiligen Videokurs, der die Lage wild lebender Tiere, mögliche Hilfsansätze und die akademische Erschließung des Feldes behandelt.

Die Animal Charity Evaluators zeichneten Animal Ethics von Dezember 2015 bis November 2017 als „Standout Charity” aus – eine Empfehlungsstufe unterhalb der höchsten Kategorie „Top Charity”. Finanziell ist die Organisation klein; ihr ausgewiesener Umsatz lag 2024 bei rund 147.800 US-Dollar (ProPublica 2024).

Abgrenzung

Wild Animal Initiative – Beide Organisationen gehören demselben EA-nahen Cluster an, der sich dem Leiden wild lebender Tiere widmet, unterscheiden sich aber im Zuschnitt deutlich.

Wild Animal Initiative, 2019 aus der Fusion von Utility Farm und Wild-Animal Suffering Research entstanden, konzentriert sich auf empirische Forschung – Populationsökologie, Wohlergehens-Indikatoren, Forschungsstipendien für Naturwissenschaftler:innen.

Animal Ethics ist breiter angelegt: Sie verbindet die allgemeine Speziesismus-Kritik mit Bildungsarbeit und Advocacy und behandelt Wild Animal Suffering als eines von mehreren Themen, nicht als alleinigen institutionellen Zweck.

Tierethik (allgemeines Feld) – Als Eigenname bezeichnet „Animal Ethics” eine konkrete Organisation, nicht das philosophische Teilgebiet der Tierethik, das seit Bentham und Singer als akademische Disziplin existiert und viele unterschiedliche Positionen und Institutionen umfasst. Die Organisation Animal Ethics vertritt innerhalb dieses Feldes eine spezifische, anti-speziesistische und leidensfokussierte Position, ist mit ihm aber nicht identisch.

Begriffsgeschichte

2012

Gründung in Oakland, Kalifornien, durch Daniel Dorado, Oscar Horta und Leah McKelvie als 501(c)(3)-Nonprofit-Organisation.

2015–2017

Vergabe von Essaypreisen zum Thema Wild Animal Suffering; Aufnahme in die Liste der „Standout Charities” der Animal Charity Evaluators.

2020

Veröffentlichung eines 28-teiligen Onlinekurses zu Wild Animal Suffering; Expansion nach Indien mit einer eigenen Hindi-Website; Kooperation mit der Universidade Federal de Uberlândia (Brasilien) zu einem Kurs über den moralischen Schaden des Todes.

2023–2024

Fortführung der internationalen Bildungsarbeit, dokumentiert in jährlichen Tätigkeitsberichten der Organisation; Ausweitung des Materialangebots auf Arabisch.

Methodische Grundlagen

Animal Ethics kombiniert drei methodische Stränge.

Erstens Bildungsarbeit: Die Organisation produziert Texte, Videos und Kursmaterialien, die Speziesismus als unbegründetes Vorurteil analysieren und Argumente für die Ausweitung des moralischen Kreises liefern – in Anlehnung an die utilitaristisch-konsequentialistische Tradition (Bentham, Singer), aber mit eigenständigem Fokus auf natürlich verursachtes Leid.

Zweitens Advocacy: Über mehrsprachige Kampagnen, darunter Beiträge zum internationalen World Day for the End of Speciesism, betreibt die Organisation Öffentlichkeitsarbeit in zahlreichen Ländern, ohne dabei selbst groß angelegte empirische Feldforschung zu betreiben.

Drittens Forschungsförderung im weiteren Sinn: Animal Ethics wirbt für Welfare Biology als akademisches Forschungsprogramm und unterstützt akademische Kooperationen und Publikationen, überlässt die naturwissenschaftliche Grundlagenforschung zu Populationsdynamik und Interventionsökologie aber weitgehend spezialisierten Partnerorganisationen wie der Wild Animal Initiative.

Kontroversen und Kritik

Animal Ethics teilt die grundsätzlichen Einwände, die der gesamten Wild-Animal-Suffering-Strömung entgegengebracht werden.

Naturalismus-Kritik

Kritiker:innen aus Umweltethik und Naturschutzbiologie werfen der Position vor, natürliche Prozesse fälschlich als moralisch bewertbare Handlungen zu behandeln und damit die Eigenständigkeit ökologischer Systeme zu unterschätzen.

Interventionismus-Debatte

Die Forderung, in wild lebende Populationen einzugreifen, um Leid zu mindern, gilt vielen Ökolog:innen als riskant, da Eingriffe in komplexe Ökosysteme schwer vorhersehbare Kaskadeneffekte auslösen können.

Anthropozentrismus-Vorwurf

Aus feministischer und postkolonialer Tierethik kommt der Einwand, die Position projiziere menschliche Schmerzkonzepte auf tierliche Existenzformen, deren Erleben empirisch kaum zugänglich sei.

Spezifische, öffentlich dokumentierte Kritik an Animal Ethics als Organisation – etwa zu Führung, Transparenz oder Mittelverwendung – ist in der verfügbaren Sekundärliteratur nicht in nennenswertem Umfang auffindbar; die Organisation bewegt sich finanziell und personell in einem vergleichsweise kleinen Rahmen.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Animal Ethics, 2012ff. About Us. animal-ethics.org.
  2. Animal Ethics, 2020. Animal Ethics Work in 2020. animal-ethics.org.
  3. Animal Ethics, 2023. Highlights of Animal Ethics Activities in 2023. animal-ethics.org.
  4. ProPublica, 2024. Animal Ethics Inc — Nonprofit Explorer. projects.propublica.org/nonprofits/organizations/461062870.
  5. Bentham, Jeremy, 1789. An Introduction to the Principles of Morals and Legislation.
  6. Horta, Oscar, 2010. Debunking the Idyllic View of Natural Processes: Population Dynamics and Suffering in the Wild. In: Télos: Revista Iberoamericana de Estudios Utilitaristas 17 (1), S. 73–88.
  7. Singer, Peter, 2009. Animal Liberation: The Definitive Classic of the Animal Movement.

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