Blog

Max Tegmark

Max Erik Tegmark (* 5. Mai 1967 in Stockholm) ist ein schwedisch-amerikanischer Physiker und Professor am Massachusetts Institute of Technology. Er ist Mitgründer und Präsident des Future of Life Institute und einer der sichtbarsten Vertreter der Position, dass fortgeschrittene KI ein existenzielles Risiko darstellt.

Zusammenfassung

Tegmarks fachliche Herkunft liegt in der Kosmologie. Er arbeitete zur Vermessung der kosmischen Hintergrundstrahlung und zur großräumigen Struktur des Universums, bevor er sich der Frage nach der Zukunft intelligenter Systeme zuwandte.

2014 gründete er mit anderen – unter ihnen Jaan Tallinn und Victoria Krakovna – das Future of Life Institute, das Existenzrisiken durch Technologie in den öffentlichen Diskurs brachte.

Sein Buch Life 3.0 von 2017 verband kosmologische Betrachtungen mit Szenarien zur Entwicklung fortgeschrittener KI und wurde zu einem der meistgelesenen Bücher zum Thema.

Im März 2023 veröffentlichte das Institut einen offenen Brief, der eine sechsmonatige Pause beim Training von Systemen jenseits von GPT-4 forderte. Er erhielt zehntausende Unterschriften, wurde nicht befolgt und blieb umstritten.

Werdegang

Tegmark wurde 1967 in Stockholm geboren und studierte dort Physik und Volkswirtschaft. Er promovierte 1994 an der University of California, Berkeley.

Nach Stationen in München und Princeton lehrte er an der University of Pennsylvania und wechselte 2004 an das MIT, wo er bis heute tätig ist.

Seine kosmologischen Arbeiten betreffen die Auswertung großer Himmelsdurchmusterungen und die Bestimmung kosmologischer Kennzahlen. Bekannt wurde er außerdem für eine Ordnung möglicher Multiversen in vier Ebenen und für die These, dass die physikalische Wirklichkeit eine mathematische Struktur sei und nicht bloß durch Mathematik beschrieben werde.

2014 verlagerte sich sein Schwerpunkt. Das Future of Life Institute organisierte Konferenzen, an denen Vertreter der KI-Forschung und der Sicherheitsdebatte teilnahmen, und veröffentlichte offene Briefe zu autonomen Waffen und zur KI-Forschung.

Seine Arbeitsgruppe am MIT befasst sich seit einigen Jahren mit mechanistischer Interpretierbarkeit und mit der Frage, ob sich in trainierten Netzen physikalische Gesetzmäßigkeiten wiederfinden lassen.

Methodische Grundlagen

Drei Stufen des Lebens. Die Ordnung aus Life 3.0: Leben 1.0 kann weder seine Hardware noch seine Software ändern; Leben 2.0 – der Mensch – kann seine Software ändern, also lernen; Leben 3.0 könnte beides.

Substratunabhängigkeit. Die Annahme, dass es auf das Material nicht ankommt, sondern auf die Struktur der Verarbeitung. Sie verbindet seine physikalische Position mit den Argumenten zum moralischen Status künstlicher Systeme.

Kosmische Größenordnungen. Tegmark rechnet in Zeiträumen und Raummaßen der Kosmologie. Die Frage, was aus der Menschheit wird, erscheint dabei als Frage nach dem Schicksal des erreichbaren Universums.

Öffentliche Briefe als Werkzeug. Die Arbeitsweise des Instituts setzt auf koordinierte öffentliche Stellungnahmen prominenter Unterzeichner – ein Verfahren aus der Tradition der Atomwissenschaftler des 20. Jahrhunderts.

Anwendungsfelder

Öffentliche Debatte. Tegmarks Hauptwirkung liegt darin, ein Thema aus Fachkreisen in Zeitungen, Fernsehen und Parlamente getragen zu haben.

Politische Prozesse. Das Institut war an der Ausarbeitung von Empfehlungen für die europäische und die US-amerikanische Regulierung beteiligt.

Autonome Waffensysteme. Ein Arbeitsschwerpunkt, der zeitlich vor der Aufmerksamkeit für Sprachmodelle lag und in eine internationale Kampagne mündete.

Forschung zur Interpretierbarkeit. Seine MIT-Gruppe arbeitet an Verfahren, die Struktur trainierter Netze mit physikalischen Beschreibungsformen zu verbinden.

Kontroversen und Kritik

Der Pausenbrief. Die Forderung vom März 2023 wurde aus zwei Richtungen kritisiert. Von der einen Seite als praktisch undurchführbar und als Vorteil für jene, die sich nicht daran halten. Von der anderen als Ablenkung: Sie schreibe künftigen Systemen Fähigkeiten zu, die gegenwärtige nicht haben, und verdecke damit belegte Schäden.

Unterschriftenliste. Nach der Veröffentlichung stellte sich heraus, dass einzelne prominente Namen ohne Zustimmung eingetragen worden waren. Das Institut besserte das Verfahren nach; der Vorgang beschädigte die Glaubwürdigkeit der Aktion.

Finanzierungsvorgang 2023. Eine Berichterstattung über eine geplante Zuwendung an eine schwedische Publikation mit rechtsextremer Ausrichtung führte zu einer öffentlichen Auseinandersetzung. Das Institut erklärte, die Zuwendung sei nach Prüfung nicht erfolgt.

Grenzüberschreitung der Zuständigkeit. Ein wiederkehrender Einwand betrifft die Reichweite: Ein Kosmologe äußert sich mit dem Gewicht des Fachmanns zu Fragen der Informatik, der Ökonomie und der Politik.

TESCREAL-Kritik. Aus dieser Richtung wird Tegmark dem Komplex zugeordnet, dessen Aufmerksamkeit für langfristige Risiken als Verdrängung gegenwärtiger Schäden gelesen wird.

Was der Pausenbrief bewirkte

Die Forderung nach einer Trainingspause wurde nicht erfüllt – kein Labor hielt inne, und die Entwicklung beschleunigte sich in den Folgemonaten eher.

Als Vorgang in der öffentlichen Debatte war der Brief dennoch folgenreich, und zwar auf eine Weise, die von seinem Wortlaut unabhängig ist.

Vor März 2023 war die Sorge um fortgeschrittene KI eine Position, die in Fachkreisen zirkulierte. Nach dem Brief war sie ein Gegenstand, zu dem sich Regierungen, Aufsichtsbehörden und Zeitungsredaktionen verhalten mussten. Der Gipfel von Bletchley Park im November desselben Jahres ist ohne diese Vorgeschichte schwer zu erklären.

Zugleich zeigte der Vorgang die Kosten dieser Wirkungsweise. Ein offener Brief bindet die Aufmerksamkeit an eine konkrete, nicht erfüllbare Forderung; deren Scheitern wird anschließend gegen das Anliegen gewendet. Und die Zuspitzung, die für Aufmerksamkeit nötig ist, erzeugt genau jene Angreifbarkeit, die Kritiker nutzen.

Damit steht der Brief für ein Verfahren, das eine Frage ins Bewusstsein hebt und die Bedingungen ihrer sachlichen Behandlung zugleich verschlechtert – ein Muster, das die Debatte um KI-Risiken bis heute prägt.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Future of Life Institute, 2023. Pause Giant AI Experiments: An Open Letter.
  2. Tegmark, Max (2014): Our Mathematical Universe: My Quest for the Ultimate Nature of Reality.
  3. Tegmark, Max, 2017. Life 3.0: Being Human in the Age of Artificial Intelligence.

← Zurück zur Lexikon-Übersicht

Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026

Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.