Alexander Caedmon „Alex” Karp ist ein US-amerikanischer Unternehmer mit einer Promotion in Sozialtheorie. Er ist Mitgründer, Vorstandsvorsitzender und Chief Executive Officer von Palantir Technologies, das er 2003 gemeinsam mit Peter Thiel, Stephen Cohen, Joe Lonsdale und Nathan Gettings gründete.
Unter seiner Führung entwickelte sich Palantir von einem auf Geheimdienste und Militär spezialisierten Datenanalyseunternehmen zu einem profitablen KI-Unternehmen. Das Unternehmen zählte zu den auffälligsten Profiteuren des KI-Booms der 2020er Jahre. Die Marktkapitalisierung lag 2025 und 2026 im Zuge stark steigender Umsätze zeitweise deutlich über 400 Milliarden US-Dollar (CNBC 2026).
Zusammenfassung
Karps Werdegang verbindet zwei selten gemeinsam auftretende Stationen. Einerseits: Studium der Philosophie und Rechtswissenschaft mit Abschlüssen am Haverford College und der Stanford Law School, sowie eine Promotion an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Andererseits: der Aufbau eines der umsatzstärksten und umstrittensten Softwareunternehmen im Feld künstlicher Intelligenz.
Palantir wurde 2003 mit Unterstützung der CIA-nahen Investmentgesellschaft In-Q-Tel gegründet. Zunächst lieferte das Unternehmen Analysesoftware für US-Geheimdienste und das Militär. Seit den 2010er Jahren erweiterte Palantir sein Geschäft schrittweise auf kommerzielle Kunden.
Mit der 2023 eingeführten „Artificial Intelligence Platform” (AIP) positionierte sich Palantir als Anbieter, der große Sprachmodelle in bestehende Datenbestände von Behörden und Unternehmen einbindet. Dies geschah im KI-Boom nach der Veröffentlichung von ChatGPT.
Umsatz und Aktienkurs stiegen in der Folge deutlich. Für das zweite Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 1,935 Milliarden US-Dollar bei einem Jahreswachstum von 93 Prozent (Palantir Technologies, 2026).
Karp tritt öffentlich unkonventionell auf. Er positioniert sich explizit als Verteidiger der Zusammenarbeit von Technologieunternehmen mit Militär und Geheimdiensten. Seine Positionen entwickelte er unter anderem in seinem 2025 erschienenen Buch „The Technological Republic”.
Zugleich steht Palantir wegen seiner Rolle bei der Überwachung und Abschiebung von Migrant:innen in den USA in der Kritik. Auch wegen seiner historischen Beteiligung an umstrittenen Einsätzen wird das Unternehmen von Bürgerrechtsorganisationen und Menschenrechtsorganisationen kritisiert.
Werdegang
Karp wuchs in Philadelphia auf. Sein Vater war Kinderarzt, seine Mutter Künstlerin. 1989 schloss er sein Studium am Haverford College ab. 1992 folgte ein Jurastudium an der Stanford Law School, wo er Peter Thiel kennenlernte.
Anschließend ging Karp nach Deutschland und promovierte 2002 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main in Sozialtheorie. Seine Dissertation „Aggression in der Lebenswelt” erweiterte Talcott Parsons’ Konzept der Aggression um den Zusammenhang von Jargon, Aggression und Kultur. Die vielfach kolportierte Angabe, die Arbeit sei bei Jürgen Habermas betreut worden, trifft nicht zu: Karola Brede und Hans-Joachim Busch fungierten als Gutachter:innen.
2003 gründete Karp gemeinsam mit Peter Thiel, Stephen Cohen, Joe Lonsdale und Nathan Gettings Palantir Technologies. Der Name bezieht sich auf die allsehenden Kristallkugeln aus J. R. R. Tolkiens „Der Herr der Ringe”. Frühes Kapital kam unter anderem von Thiel selbst und von In-Q-Tel, dem Investmentarm der CIA.
Karp übernahm die Rolle des CEO, obwohl er nach eigenen Angaben zunächst wenig Erfahrung mit Unternehmensführung mitbrachte. In den Anfangsjahren entwickelte das Unternehmen Analysesoftware vor allem für US-Geheimdienste und das Militär.
2020 ging Palantir über einen Direktlisting an die New York Stock Exchange, ohne den klassischen Weg eines Börsengangs mit Investmentbanken-Konsortium zu nehmen. In den folgenden Jahren erweiterte das Unternehmen sein Geschäft von behördlichen auf kommerzielle Kunden und positionierte sich mit AIP seit 2023 zusätzlich als Anbieter von KI-gestützter Datenanalyse für Unternehmen.
Geschäftsmodell und KI-Plattform AIP
Palantirs Kerngeschäft besteht darin, große, heterogene Datenbestände von Behörden und Unternehmen in einer gemeinsamen Softwareumgebung zusammenzuführen und analysierbar zu machen. Historisch zählten US-Geheimdienste, das Verteidigungsministerium und verbündete Regierungen zu den wichtigsten Kunden; die Software kam unter anderem bei der Terrorismusbekämpfung und in militärischen Zielerfassungssystemen zum Einsatz.
Mit der 2023 eingeführten Artificial Intelligence Platform integriert Palantir große Sprachmodelle in seine Dateninfrastruktur. Ein zentrales Verkaufsargument ist dabei die sogenannte KI-Souveränität: Kunden behalten laut Unternehmensdarstellung die Kontrolle über ihre Daten und Modelle vor Ort, statt sie an Dritte abzugeben.
Diese Positionierung trug zum starken Umsatzwachstum bei. Das US-Geschäft mit kommerziellen Kunden wuchs im zweiten Quartal 2026 um 149 Prozent auf 764 Millionen US-Dollar (Palantir Technologies, 2026). Der Umsatz mit Regierungskunden stieg im selben Zeitraum um 90 Prozent auf 809 Millionen US-Dollar (Palantir Technologies, 2026). Für das Gesamtjahr 2026 erwartete das Unternehmen einen Umsatz von rund 8,2 Milliarden US-Dollar (CNBC 2026).
Öffentliche Positionierung: „The Technological Republic”
Karp positioniert sich seit Jahren öffentlich als Fürsprecher einer engeren Zusammenarbeit zwischen der Technologiebranche und westlichen Regierungen, insbesondere im Verteidigungsbereich. Im 2025 verfasste er gemeinsam mit Nicholas Zamiska das Buch „The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West”.
In diesem Buch argumentiert Karp, dass sich das Silicon Valley seit den 1960er Jahren von seinen Wurzeln in staatlich finanzierter Forschung und Verteidigungstechnologie entfernt habe.
Stattdessen konzentrierte es sich auf Konsumprodukte wie soziale Netzwerke. Er fordert eine Rückbesinnung der Technologiebranche auf „harte” Technologien im Dienst nationaler und demokratischer Interessen des Westens (Karp/Zamiska, 2025).
Diese Position, verbunden mit Karps wiederholten öffentlichen Äußerungen, die Zusammenarbeit mit Militär und Geheimdiensten sei moralisch geboten statt fragwürdig, unterscheidet ihn von vielen anderen prominenten Technologieunternehmern, die diese Nähe zu Rüstung und Überwachung öffentlich meiden oder relativieren.
Kontroversen und Kritik
Palantirs Software wird seit Jahren von Bürgerrechts- und Menschenrechtsorganisationen kritisch begleitet. Bereits während der ersten Amtszeit von Präsident Trump warf Amnesty International dem Unternehmen vor, dass seine Technologie Razzien der US-Einwanderungsbehörde ICE ermöglicht habe (Amnesty International, zitiert nach CBS News).
Besondere Kritik richtete sich gegen Einsätze im Zusammenhang mit der umstrittenen Trennung von Familien an der US-Grenze. Palantir bestreitet in eigenen Stellungnahmen allerdings, dass seine Software gezielt für diese Trennung eingesetzt worden sei.
Im April 2025 schloss ICE mit Palantir einen Vertrag über rund 30 Millionen US-Dollar ab (American Immigration Council, 2025). Das System, „Immigration Lifecycle Operating System” (ImmigrationOS) genannt, soll nach Angaben der Behörde und von Rechercheorganisationen eine nahezu Echtzeit-Nachverfolgung der Bewegungen von Migrant:innen in den USA ermöglichen (American Immigration Council, 2025).
Die Electronic Frontier Foundation kritisierte in einem im April 2026 veröffentlichten Bericht eine Diskrepanz zwischen Palantirs eigenen Menschenrechtsrichtlinien und der praktischen Nutzung seiner Software durch ICE (Electronic Frontier Foundation, 2026). Palantir wies die Darstellung in einer öffentlichen Erwiderung zurück.
Bürgerrechtsorganisationen wie die American Civil Liberties Union äußerten Bedenken: Solche Systeme könnten über die Überwachung von Personen ohne gültigen Aufenthaltsstatus hinaus auch die Bürgerrechte von US-Staatsbürger:innen berühren. Der Grund liegt darin, dass der Kreis der erfassten Personen sich technisch nicht trennscharf eingrenzen lässt.
Wie weit diese Kritik berechtigt ist und wie genau die Grenzen der Datennutzung in der Praxis gezogen werden, ist zwischen Palantir und seinen Kritikern umstritten; unabhängig überprüfbare, detaillierte Angaben zum tatsächlichen Umfang der Datennutzung liegen öffentlich nur eingeschränkt vor.
Verwandte Begriffe
- Autonome Waffensysteme – Technologiefeld, das Palantirs militärische Software berührt
- David Sacks – wie Karp Teil des sogenannten PayPal-Mafia-Netzwerks um Peter Thiel
- Michael Kratsios – US-Regierungsvertreter für Technologiepolitik, dessen Aufgabenfeld sich mit Palantirs Regierungsgeschäft überschneidet
- Eugenik – wiederkehrender Kritikpunkt an Teilen des Thiel-nahen Silicon-Valley-Netzwerks, dem Karp zugerechnet wird
Quellenangaben
- Britannica Money: „Alex Karp”. https://www.britannica.com/money/Alex-Karp
- Karp, Alexander C. / Zamiska, Nicholas W., 2025. The Technological Republic: Hard Power, Soft Belief, and the Future of the West.
- CNBC, 3. August 2026: „Palantir soars 12% on blowout quarter, with U.S. commercial revenue soaring nearly 150%“. https://www.cnbc.com/2026/08/03/palantir-pltr-earnings-q2-2026.html
- CNBC, 4. August 2026: „Palantir stock rises 29% on soaring commercial revenue, AI sovereignty”. https://www.cnbc.com/2026/08/04/palantir-2q-earnings-ai-sovereign-tools.html
- American Immigration Council, 2025: „ICE to Use ImmigrationOS by Palantir, a New AI System, to Track Immigrants’ Movements”. https://www.americanimmigrationcouncil.org/blog/ice-immigrationos-palantir-ai-track-immigrants/
- Electronic Frontier Foundation, April 2026: „Palantir Has a Human Rights Policy. Its ICE Work Tells a Different Story”. https://www.eff.org/deeplinks/2026/04/palantir-has-human-rights-policy-its-ice-work-tells-different-story
- American Civil Liberties Union: „All the Ways Palantir is Assisting Trump’s Abusive Removal Campaign”. https://www.aclu.org/news/privacy-technology/palantir-deportation-roundup
- CBS News: „Amnesty International slams Palantir’s human rights record”. https://cbsnews.com/news/palantir-human-rights-record-amnesty-international/