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Apocalyptic AI

Apocalyptic AI: Visions of Heaven in Robotics, Artificial Intelligence, and Virtual Reality ist ein 2010 bei Oxford University Press erschienenes Buch des Religionswissenschaftlers Robert M. Geraci. Es untersucht die populäre Rhetorik führender Robotik- und KI-Vordenker als säkularisierte Fortsetzung jüdisch-christlicher Apokalyptik.

Zusammenfassung

Geracis zentrale These lautet, dass eine bestimmte Gruppe einflussreicher Autor:innen – vor allem Hans Moravec und Ray Kurzweil – die Zukunft von Robotik und Künstlicher Intelligenz in einer Sprache beschreibt, die strukturell der jüdisch-christlichen Apokalyptik entspricht. Zu deren Elementen zählen ein bevorstehendes, geschichtsveränderndes Ereignis, die Überwindung des sterblichen Körpers und ein Zustand ewiger, körperloser Existenz.

Geraci nennt diese Rhetorik Apocalyptic AI und grenzt sie ausdrücklich von der praktischen, ingenieurwissenschaftlichen KI-Forschung ab. Sein Gegenstand ist nicht die Technik selbst, sondern eine bestimmte, öffentlichkeitswirksame Erzählweise darüber.

Abgrenzung

Kosmismus – der russische Kosmismus liefert historische Wurzeln ähnlicher Erlösungsvorstellungen; Geraci konzentriert sich dagegen auf die US-amerikanische Robotik- und KI-Populärliteratur seit den 1980er Jahren.

Transhumanismus als Bewegung – Apocalyptic AI beschreibt eine spezifische rhetorische Struktur innerhalb transhumanistischer Zukunftsentwürfe, nicht die Bewegung als Ganzes.

Begriffsgeschichte

Geraci entwickelte die Analyse zunächst in Fachaufsätzen der 2000er Jahre, bevor sie 2010 zur Buchlänge ausgearbeitet wurde.

Ausgangspunkt war seine Beobachtung, dass die von Moravec in Mind Children (1988) und von Kurzweil in The Age of Spiritual Machines (1999) sowie The Singularity Is Near (2005) entworfenen Zukunftsbilder denselben narrativen Bausteinen folgen wie apokalyptische Texte. Dazu zählen eine radikale Diskontinuität der Geschichte, die Überwindung leiblicher Beschränkung und ein Zustand transzendenter Vollendung.

Methodische Grundlagen

Geraci liest die Primärtexte führender Robotik- und KI-Populärautoren – neben Moravec und Kurzweil auch Hugo de Garis – systematisch gegen die Struktur biblischer Apokalyptik (insbesondere das Buch der Offenbarung).

Er identifiziert wiederkehrende Elemente: eine binäre Geschichtsauffassung mit einem entscheidenden Wendepunkt, das Versprechen körperloser Unsterblichkeit durch Mind Uploading oder virtuelle Realität, sowie eine erlöste Endgemeinschaft überlegener, digitaler Wesen.

Methodisch stützt sich das Buch auf die religionswissenschaftliche Gattungsanalyse, nicht auf empirische Sozialforschung – Geraci untersucht Texte, nicht die tatsächlichen Überzeugungen einzelner Ingenieur:innen.

Kontroversen und Kritik

Kritiker:innen wenden ein, Geraci verallgemeinere von einer kleinen, publikumswirksamen Autorengruppe auf „KI” als Feld insgesamt, obwohl die große Mehrheit praktischer KI-Forschung mit dieser Erlösungsrhetorik nichts zu tun hat. Geraci selbst begegnet diesem Einwand im Buch, indem er seinen Gegenstand explizit auf die genannte Autorengruppe eingrenzt – in der Rezeption wird diese Eingrenzung jedoch nicht immer mitgeführt.

Die Analyse wurde in der Folge breit als Referenzpunkt für religionskritische Lesarten von Cosmism und verwandter Zukunftsdiskurse aufgegriffen, etwa durch die Religionswissenschaftlerin Beth Singler, die Geracis Ansatz auf jüngere Fallbeispiele der KI-Debatte übertrug – darunter das Roko’s-Basilisk-Gedankenexperiment.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Geraci, Robert M., 2010. Apocalyptic AI: Visions of Heaven in Robotics, Artificial Intelligence, and Virtual Reality. Oxford University Press.
  2. Moravec, Hans, 1988. Mind Children: The Future of Robot and Human Intelligence. Harvard University Press.
  3. Kurzweil, Ray, 1999. The Age of Spiritual Machines. Viking.

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