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Computing Machinery and Intelligence

Computing Machinery and Intelligence ist ein 1950 in der philosophischen Fachzeitschrift Mind erschienener Aufsatz von Alan Turing. Er gilt als Gründungstext der Künstlichen Intelligenz als Forschungsfeld und enthält das später als Turing-Test bekannte Verfahren.

Zusammenfassung

Turings zentrale Bewegung ist eine : Er erklärt die Frage „Können Maschinen denken?” für zu unbestimmt, um beantwortet zu werden, und ersetzt sie durch eine operationalisierbare Frage nach beobachtbarem Verhalten. Damit verschiebt er die Debatte von der Bestimmung des Denkens zur Prüfung von Leistung – eine Weichenstellung, die die KI-Forschung bis heute prägt und zugleich der Ausgangspunkt der wichtigsten Kritik an ihr ist.

Der Aufsatz erschien sechs Jahre vor der Dartmouth-Konferenz, auf der der Begriff artificial intelligence geprägt wurde.

Inhalt

Das Imitationsspiel

Turing führt sein Verfahren über ein Gesellschaftsspiel ein: Ein Fragesteller kommuniziert schriftlich mit zwei ihm unbekannten Personen und soll bestimmen, welche von beiden ein Mann und welche eine Frau ist, während eine der Parteien zu täuschen versucht. Turing ersetzt sodann eine der Parteien durch eine Maschine und fragt, ob der Fragesteller ebenso häufig irrt wie zuvor.

Entscheidend ist die Reduktion auf schriftliche Kommunikation: Erscheinungsbild und Stimme sind ausgeschlossen, geprüft wird allein die sprachliche Leistung. Turing formuliert zudem eine Prognose – er hielt es für plausibel, dass Maschinen bis zum Ende des Jahrhunderts über hinreichende Kapazität verfügen würden, um einen durchschnittlichen Fragesteller in einem kurzen Gespräch häufig genug zu täuschen.

Die neun Einwände

Den größten Teil des Aufsatzes widmet Turing der Widerlegung vorweggenommener Einwände.

Er behandelt unter anderem:

Die Behandlung des Bewusstseinseinwands ist argumentativ zentral: Turing hält dem entgegen, dass wir auch bei anderen Menschen Bewusstsein nicht prüfen, sondern aus deren Verhalten unterstellen – und dass ein strengerer Maßstab für Maschinen eine Ungleichbehandlung wäre.

Lernende Maschinen

Im Schlussabschnitt schlägt Turing vor, statt eines erwachsenen Geistes einen kindlichen zu programmieren und diesen einem Erziehungsprozess zu unterwerfen. Er skizziert damit die Grundidee des maschinellen Lernens Jahrzehnte vor deren technischer Umsetzung und erwähnt ausdrücklich, dass ein solcher Prozess Zufallselemente enthalten und evolutionären Verfahren ähneln könnte.

Wirkung

Der Aufsatz begründete das Verhaltenskriterium als Grundlage der KI-Forschung. Das darin beschriebene Verfahren wurde als Turing-Test zum bekanntesten Prüfmaßstab des Feldes und blieb es über Jahrzehnte.

Mit dem Erscheinen großer Sprachmodelle gilt der Test in seiner ursprünglichen Form als weitgehend erfüllt – und damit zugleich als überholt.

Die verbreitete Einschätzung lautet, dass er misst, wie überzeugend ein System menschliche Sprachproduktion nachbildet, nicht ob es versteht oder allgemein intelligent ist. Moderne Benchmarks wie ARC-AGI kehren die Stoßrichtung um: Sie prüfen nicht Täuschungsfähigkeit im Gespräch, sondern Anpassung an neuartige Aufgaben.

Kritik

Die grundlegende Kritik richtet sich gegen die verhaltensbasierte Ersetzung selbst. John Searle argumentierte 1980 in Minds, Brains, and Programs mit dem Gedankenexperiment des Chinesischen Zimmers, dass korrekte Symbolmanipulation ohne Verständnis möglich sei; ein bestandener Test belege daher kein Verstehen.

Weiter wird eingewandt, dass der Test eher Täuschungsfähigkeit als Intelligenz prämiert und dadurch Anreize setzt, die von tatsächlichen Fähigkeiten wegführen – etwa das Vortäuschen menschlicher Fehler. Aus feministischer und wissenschaftshistorischer Perspektive wurde zudem die ursprüngliche Konstruktion über das Geschlechterraten untersucht, die in späteren Darstellungen meist weggelassen wird.

Der übersehene Teil des Aufsatzes

Die Rezeption hat sich fast vollständig auf die ersten Abschnitte verengt. Der Aufsatz enthält jedoch zwei weitere Gedanken, die heute erheblich aktueller sind als das Prüfverfahren, für das er berühmt wurde.

Der erste betrifft den Weg zur Maschine. Turing verwirft die Vorstellung, ein erwachsener Verstand ließe sich direkt programmieren, und schlägt stattdessen vor, eine Maschine zu bauen, die dem Zustand eines Kindes entspricht, und sie durch einen Erziehungsvorgang zu entwickeln.

Er beschreibt dabei ausdrücklich ein Zusammenspiel aus Belohnung, Bestrafung und zufälliger Abwandlung – eine Vorwegnahme der Grundfigur des Lernens aus Rückmeldung, formuliert Jahrzehnte vor deren technischer Umsetzung.

Der zweite betrifft die Unabsehbarkeit des Verhaltens. Turing weist den Einwand zurück, eine Maschine könne nur tun, was man ihr befohlen habe, mit dem Hinweis, dass die Folgen eines Programms von seinem Verfasser regelmäßig nicht überschaut werden. Was heute unter Stichworten wie emergentem Verhalten oder unvorhergesehenen Fähigkeiten verhandelt wird, ist bei ihm bereits als Regelfall und nicht als Ausnahme angelegt.

Der Aufsatz ist damit weniger die Begründung eines Prüfverfahrens als ein früher Entwurf des gesamten Forschungsprogramms – einschließlich der Frage, ob man die Maschine, die man erzieht, am Ende noch versteht.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Chollet, François (2019): On the Measure of Intelligence. arXiv: 1911.01547.
  2. Mitchell, Melanie (2019): Artificial Intelligence: A Guide for Thinking Humans.
  3. Searle, John R., 1980. Minds, Brains, and Programs. In: Behavioral and Brain Sciences 3 (3), S. 417–457. DOI: 10.1017/S0140525X00005756.
  4. Turing, Alan M., 1950. Computing Machinery and Intelligence. In: Mind LIX (236), S. 433–460. DOI: 10.1093/mind/LIX.236.433.

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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026

Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.