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Mikey Shulman

Mikey Shulman (Michael Shulman) ist ein US-amerikanischer Physiker und Unternehmer. Er ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Suno, einem 2022 gegründeten Dienst zur KI-gestützten Musikerzeugung aus Textbeschreibungen. Vor der Suno-Gründung war Shulman erster Machine-Learning-Mitarbeiter und Leiter des maschinellen Lernens bei Kensho Technologies, dem Finanzanalyse-Start-up von Daniel Nadler, das 2018 für 550 Millionen US-Dollar an S&P Global verkauft wurde (TIME 2026).

Zusammenfassung

Shulmans Werdegang führt von einer Physik-Promotion an der Harvard University über eine Karriere als früher Machine-Learning-Ingenieur bei einem Finanz-KI-Start-up zur Gründung von Suno im März 2022. Gemeinsam mit drei ehemaligen Kollegen von Kensho Technologies baute er einen Dienst auf, der aus wenigen Sätzen vollständige Musikstücke samt Gesang erzeugt und binnen kurzer Zeit mehr als 100 Millionen Menschen erreichte (TIME 2026).

Sunos virale Verbreitung ging von Beginn an mit heftigem Widerstand der etablierten Musikindustrie einher. Im Juni 2024 verklagten die drei großen Musikkonzerne Universal Music, Sony Music und Warner Music das Unternehmen wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzungen beim Training seiner KI-Modelle. Während Warner Music sich im November 2025 mit Suno einigte und in eine Lizenzpartnerschaft überging, setzen Universal Music und Sony ihre Klagen fort.

Shulman selbst tritt öffentlich als Verteidiger seines Geschäftsmodells auf und bezeichnet Sunos Vorgehen als „legal und branchenüblich”. Zugleich formuliert er einen umfassenderen Anspruch: Suno solle nicht bloß ein Werkzeug für professionelle Musikerzeugung sein, sondern eine neue, partizipative Form kultureller Beteiligung ermöglichen.

Werdegang

Shulman studierte Physik zunächst an der Columbia University, wo er mit dem dortigen Physics Faculty Award ausgezeichnet wurde, und promovierte anschließend von 2009 bis 2015 an der Harvard University in Physik – nach eigener Angabe im Bereich Quantencomputing mit Festkörper-Spins. Nach dem Abschluss der Promotion wurde er 2015 als erster Machine-Learning-Mitarbeiter bei Kensho Technologies eingestellt, einem 2013 von Daniel Nadler gegründeten Unternehmen, das Finanzmarktdaten mithilfe maschinellen Lernens automatisiert auswertete. Bei Kensho stieg Shulman zum Leiter des maschinellen Lernens auf; das Unternehmen wurde 2018 für 550 Millionen US-Dollar an den Datenkonzern S&P Global verkauft (TIME 2026).

Im März 2022 gründete Shulman gemeinsam mit drei ehemaligen Kensho-Kollegen – dem späteren Chief Technology Officer Georg Kucsko, dem späteren Präsidenten Martin Camacho und Keenan Freyberg – das Unternehmen Suno, Inc. mit Sitz in Cambridge, Massachusetts. Alle vier Gründer hatten sich bei Kensho kennengelernt; nach eigenen Angaben verband sie neben der technischen Ausbildung eine langjährige Leidenschaft für Musik.

Suno: von der Gründung zum Milliardenunternehmen

Suno veröffentlichte im Dezember 2023 eine öffentlich zugängliche Webanwendung, begleitet von einer Integration in Microsoft Copilot; im Juli 2024 folgte eine mobile App. Mit den Modellversionen V3 (März 2024) und V4 (November 2024) verbesserte sich die Qualität der erzeugten Musikstücke deutlich, bis März 2026 war Version 5.5 aktuell. Die Nutzerzahlen wuchsen rasant: Bis Februar 2026 hatte der Dienst nach Unternehmensangaben mehr als 100 Millionen Menschen erreicht, rund zwei Millionen davon als zahlende Abonnent:innen, mit über sieben Millionen täglich erzeugten Songs (TIME 2026).

Das Wachstum ging mit mehreren Finanzierungsrunden einher. Im November 2025 sammelte Suno in einer von Menlo Ventures angeführten Series-C-Runde 250 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 2,45 Milliarden US-Dollar ein (Reuters 2025), unter anderem mit Beteiligung von Nvidias Investmentarm NVentures. Im Juni 2026 folgte eine weitere Runde über mehr als 400 Millionen US-Dollar, die das Unternehmen auf 5,4 Milliarden US-Dollar bewertete (Music Business Worldwide 2026).

Shulman positioniert Suno dabei bewusst nicht nur als Werkzeug für professionelle Musikproduktion, sondern als neue Form der Unterhaltung, die passiven Medienkonsum wie endloses Scrollen in sozialen Netzwerken verdrängen könnte. Kritik, Suno reduziere Musikmachen auf das bloße Eintippen von fünf Wörtern, weist er zurück: Menschliches kreatives Engagement bleibe zentral, „nur mag es sehr andere zehntausend Stunden sein wegen der Technologie – und das ist nicht neu”, sagte er 2026 gegenüber dem Magazin Time.

Kontroversen und Kritik

Im Juni 2024 verklagten die drei großen Musikkonzerne Universal Music Group, Sony Music Entertainment und Warner Music Group – unterstützt durch den Branchenverband RIAA – Suno vor einem Bundesgericht in Massachusetts wegen mutmaßlicher Urheberrechtsverletzung. Der Vorwurf: Suno habe sein KI-Modell ohne Lizenz auf urheberrechtlich geschützten Musikaufnahmen trainiert; die Klage fordert Schadensersatz von bis zu 150.000 US-Dollar je verletztem Werk (RIAA 2024). Suno verteidigte sich zunächst mit dem Argument der Fair-Use-Doktrin des US-Rechts und erklärte, vor der Klage bereits in Lizenzgesprächen mit den Labels gestanden zu haben.

Im November 2025 einigten sich Suno und Warner Music in einem als „first-of-its-kind partnership” beschriebenen Vergleich: Neben einer nicht offengelegten Zahlung erhielt Suno eine fortlaufende Lizenz zum Training künftiger Modelle auf Warners Katalog und übernahm zugleich die Konzert- und Live-Musik-Plattform Songkick von Warner Music. Universal Music und Sony Music setzen ihre Klagen fort; 2026 stritten die Parteien vor Gericht darüber, ob die verbleibenden Kläger Einsicht in die Bedingungen des Warner-Vergleichs erhalten sollten – ein Magistratsrichter untersagte dies zunächst, wogegen Universal Music und Sony Einspruch einlegten. Auch außerhalb der USA gerät Suno unter Druck: Im Januar 2025 verklagte die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA das Unternehmen wegen unlizenzierten Trainings auf urheberrechtlich geschütztem Material; das Landgericht München entschied am 31. Juli 2026 zugunsten der GEMA und stellte einen Verstoß gegen deutsches und US-amerikanisches Urheberrecht fest. Im August 2026 schloss Suno zusätzlich eine Lizenzvereinbarung mit dem Musikverlag BMG Rights Management, die Vergütungsregeln für Künstler:innen vorsieht.

Die fortdauernde Kontroverse zeigte sich auch öffentlichkeitswirksam: Als Shulman 2026 auf einer Konferenz in Santa Monica auftrat, ließ die Human Artistry Campaign – ein Bündnis von mehr als 180 Organisationen, darunter die RIAA und die Recording Academy – ein Flugzeug mit dem Banner „SAY NO TO SUNO” über die Veranstaltung fliegen. Shulman selbst hält an seiner Position fest: „Was wir tun, ist legal und branchenüblich”, erklärte er gegenüber Time. Kritiker:innen verweisen zudem auf Berichte, wonach Suno neben lizenzierten Beständen auch Inhalte von Plattformen wie YouTube Music, Genius und Deezer für das Training herangezogen haben soll – ein Vorwurf, den das Unternehmen nicht im Detail bestätigt hat und der bislang nicht abschließend unabhängig verifiziert ist.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. TIME, 27. August 2026. „TIME100 AI 2026: Mikey Shulman”. https://time.com/collection/time100-ai/2026/mikey-shulman/
  2. Wired, 27. Juni 2024. „US Record Labels Sue AI Music Generators Suno and Udio for Copyright Infringement”. https://www.wired.com/story/ai-music-generators-suno-and-udio-sued-for-copyright-infringement/
  3. Music Business Worldwide, 12. Mai 2026. „Suno fights to keep Warner Music settlement terms away from UMG and Sony”. https://www.musicbusinessworldwide.com/suno-fights-to-keep-warner-music-settlement-terms-away-from-umg-and-sony/
  4. Reuters, 19. November 2025. „AI music company Suno valued at $2.45 billion in latest funding round”. https://www.reuters.com/business/media-telecom/ai-music-company-suno-valued-245-billion-latest-funding-round-2025-11-19/
  5. The Wall Street Journal, 2026. „Mikey Shulman, the Co-Founder and CEO of Suno, May Be Music’s Most Disruptive Force”. https://www.wsj.com/arts-culture/music/suno-ceo-mikey-shulman-ai-music-512b78da
  6. RIAA, 24. Juni 2024. Klageschrift gegen Suno, Inc. (US District Court, District of Massachusetts). https://www.riaa.com/wp-content/uploads/2024/06/Suno-complaint-file-stamped20.pdf
  7. Sequoia Capital, Podcast. „Suno’s Mikey Shulman: Everyone Can Make Music Now”. https://sequoiacap.com/podcast/sunos-mikey-shulman-everyone-can-make-music-now

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