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Plantationocene

Plantationocene ist ein von Donna Haraway vorgeschlagener Epochenbegriff, der die Kolonialplantage – mit ihrer erzwungenen Monokultur, versklavter und entrechteter Arbeit sowie systematischer Entfremdung von Lebewesen aus ihren angestammten Beziehungen – als strukturelles Ordnungsmodell der heutigen ökologischen Krise fasst.

Zusammenfassung

Neben dem etablierten Anthropozän und dem von Jason W. Moore geprägten Capitalocene schlägt Haraway den Plantationocene als dritten, komplementären Rahmen vor.

Während das Anthropozän die Menschheit als Ganzes und das Capitalocene das Kapital als Verursacher benennt, richtet der Plantationocene den Blick auf ein konkretes historisches Herrschaftsmodell: die Plantagenwirtschaft. Sie ordnete seit der frühen Kolonialzeit Land, Arbeit und Lebewesen systematisch nach einer einzigen ökonomischen Logik neu.

Abgrenzung

Capitalocene – benennt das Kapital als abstrakten strukturellen Verursacher; der Plantationocene konkretisiert diese Kritik anhand einer spezifischen historischen Institution und ihrer Arbeits- und Entfremdungsformen.

Begriffsgeschichte

Haraway führte den Begriff 2015 gemeinsam mit Anna Tsing im Aufsatz Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin ein und griff ihn 2016 in Staying with the Trouble erneut auf. Beide Autorinnen verwiesen darauf, dass Plantagensysteme historisch weit vor der industriellen Kohleverbrennung – dem üblichen Startpunkt des Anthropozän-Narrativs – begannen, Ökosysteme und menschliche Arbeit systematisch umzuformen.

Methodische Grundlagen

Der Begriff verschiebt den Fokus von globalen, oft abstrakten Kennzahlen wie CO₂-Konzentrationen hin zu konkreten historischen Praktiken: erzwungener Monokultur statt gewachsener Artenvielfalt, entrechteter statt selbstbestimmter Arbeit, und einer Trennung von Lebewesen aus lokalen, wechselseitigen Beziehungsgeflechten zugunsten globaler Exportketten.

Diese Praktiken, so das Argument, prägen bis heute die Organisation industrieller Landwirtschaft und globaler Lieferketten.

Kontroversen und Kritik

Kritiker:innen wenden ein, dass die Vervielfachung konkurrierender Epochenbegriffe – Anthropozän, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene – die analytische Schärfe des ursprünglichen Anthropozän-Konzepts verwässere, statt sie zu präzisieren. Befürworter:innen halten dagegen, dass gerade die Pluralität der Begriffe unterschiedliche, sich ergänzende Verantwortlichkeiten sichtbar mache, die ein einzelner Sammelbegriff verdecken würde.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Haraway, Donna J., 2015. Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin. Environmental Humanities 6 (1), S. 159–165. DOI: 10.1215/22011919-3615934.
  2. Haraway, Donna J., 2016. Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Duke University Press.

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