Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene ist ein 2016 bei Duke University Press erschienenes Hauptwerk der Wissenschaftsphilosophin Donna Haraway. Es arbeitet den Begriff des Chthulucene aus und formuliert eine Ethik des Zusammenlebens über Artgrenzen hinweg.
Zusammenfassung
Haraway lehnt sowohl technologieoptimistische Rettungserzählungen als auch resignative Weltuntergangsnarrative ab. Ihr Gegenvorschlag lautet, in den „Mühen des Lebens” (staying with the trouble) neue, verantwortliche Formen von Verwandtschaft (kin) zu kultivieren – ausdrücklich nicht beschränkt auf menschliche Nachkommenschaft, sondern erweitert auf vielfältige Beziehungen zwischen Menschen, Tieren, Pflanzen und Technologien.
Begriffsgeschichte
Das Buch führt den bereits 2015 im Aufsatz Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin skizzierten Chthulucene-Begriff aus und stellt ihn programmatisch neben das Anthropozän und verwandte Epochenbegriffe.
Es bündelt zugleich Themen aus Haraways gesamtem vorangegangenen Werk – von A Cyborg Manifesto bis When Species Meet – zu einer eigenständigen Ontologie des Zusammenlebens.
Methodische Grundlagen
Haraway argumentiert essayistisch-assoziativ statt systematisch-analytisch und verbindet spekulative Fabulation, Science-Fiction-Referenzen und konkrete biologische Fallstudien – etwa zu Taubenzucht oder zu Korallensymbiosen – zu einem Argument gegen klare Trennlinien zwischen Arten, zwischen Natur und Kultur sowie zwischen Mensch und Maschine.
Anwendungsfelder
Die Formel „Make Kin, Not Babies” wurde zur meistzitierten Verdichtung des Buches: Statt anthropozentrischer Reproduktion sollten ökologisch und sozial verflochtene Verwandtschaftsbeziehungen – auch über Artgrenzen hinweg – im Vordergrund stehen. Das Buch gilt als Schlüsseltext der Environmental Humanities und wird regelmäßig neben Bruno Latours Down to Earth als Referenzpunkt kritischer Anthropozän-Theorie genannt.
Kontroversen und Kritik
Die „Make Kin, Not Babies”-Position wurde als möglicherweise unfreiwillig anti-natalistisch und aus einer privilegierten westlichen Perspektive formuliert kritisiert, die demografische Realitäten des globalen Südens nicht angemessen berücksichtige. Zudem wenden Kritiker:innen aus stärker empirisch orientierten Disziplinen ein, dass Haraways essayistischer, metaphernreicher Stil auf Kosten begrifflicher Präzision gehe.
Verwandte Begriffe
- Chthulucene – der zentrale, im Buch ausgearbeitete Begriff
- Plantationocene – verwandter Epochenbegriff aus demselben Werkkomplex
- Posthumanismus – philosophische Tradition, in die das Buch eingebettet ist
Quellenangaben
- Haraway, Donna J., 2016. Staying with the Trouble: Making Kin in the Chthulucene. Duke University Press.
- Haraway, Donna J., 2015. Anthropocene, Capitalocene, Plantationocene, Chthulucene: Making Kin. Environmental Humanities 6 (1), S. 159–165. DOI: 10.1215/22011919-3615934.