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Alexandr Wang

Alexandr Wang (* Januar 1997 in Los Alamos, New Mexico) ist ein US-amerikanischer Unternehmer. Er gründete 2016 im Alter von 19 Jahren Scale AI, das er bis Juni 2025 als CEO leitete, und wechselte danach als Chief AI Officer zu Meta Platforms, wo er die neu gegründete Einheit Meta Superintelligence Labs mitleitet.

Zusammenfassung

Wang wuchs als Sohn zweier Physiker, die am Los Alamos National Laboratory an Waffentechnik arbeiteten, in Los Alamos, New Mexico, auf. Mit 17 Jahren arbeitete er bereits als Softwareentwickler in Silicon Valley, brach mit 19 ein Studium der Informatik am MIT ab und gründete im Juni 2016 mit Lucy Guo das Unternehmen Scale AI, das Trainings- und Bewertungsdaten für KI-Systeme annotiert.

Unter Wangs Führung wuchs Scale AI von einem Dienstleister für die Annotation von Sensordaten autonomer Fahrzeuge zum bevorzugten Datenlieferanten praktisch aller führenden KI-Entwickler, darunter zeitweise OpenAI und Google. 2021 machte ihn das zum jüngsten selbstgemachten Milliardär der Welt.

Am 13. Juni 2025 investierte Meta Platforms 14,3 Milliarden US-Dollar in eine 49-Prozent-Beteiligung an Scale AI (CNBC 2025) – bei einer Unternehmensbewertung von über 29 Milliarden US-Dollar eine der größten Einzelinvestitionen der KI-Branche. Im Zuge des Deals wechselte Wang als erster Chief AI Officer in der Geschichte des Konzerns zu Meta und übernahm gemeinsam mit dem früheren GitHub-Chef Nat Friedman die Leitung von Meta Superintelligence Labs. Scales bisherige Kunden Google, OpenAI, Microsoft und xAI kündigten daraufhin ihre Zusammenarbeit mit Scale auf oder fuhren sie zurück – aus Sorge, über den Datendienstleister Einblick in ihre Forschungsagenden an einen direkten Konkurrenten zu verlieren.

Werdegang

Wang wurde im Januar 1997 in Los Alamos, New Mexico, geboren, wo beide Eltern als Physiker am Los Alamos National Laboratory arbeiteten – jenem Ort, an dem während des Zweiten Weltkriegs die erste Atombombe der USA entwickelt wurde. Bereits als Teenager brachte er sich Programmieren bei und arbeitete mit 17 Jahren als Vollzeit-Softwareentwickler, zunächst bei der Finanztechnologiefirma Addepar, anschließend bei der Frage-Antwort-Plattform Quora.

2015 nahm er ein Studium der Informatik mit Schwerpunkt maschinelles Lernen am Massachusetts Institute of Technology (MIT) auf, brach es jedoch bereits im ersten Jahr ab, um am Y-Combinator-Accelerator teilzunehmen und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Aufbau von Scale AI

Im Juni 2016 gründete Wang gemeinsam mit Lucy Guo Scale AI mit einer Anschubfinanzierung von 120.000 US-Dollar aus dem Y-Combinator-Programm (Forbes 2026). Das Unternehmen annotierte zunächst Sensordaten für autonome Fahrzeuge für Kunden wie das Toyota Research Institute und Lyft und erreichte bereits 2019, im dritten Geschäftsjahr, eine Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar.

Mit dem Aufstieg generativer KI ab 2020 erweiterte Scale sein Angebot um menschliches Feedback für das Training von Sprachmodellen (RLHF), Bewertungsdaten für Modellvergleiche und Auftragsarbeit für US-Verteidigungsbehörden. Das Unternehmen positionierte sich damit als zentraler, weitgehend unsichtbarer Zulieferer für praktisch die gesamte Branche – ein Geschäftsmodell, das auf Zehntausenden weltweit verteilten Auftragnehmer:innen beruhte, die Daten kennzeichneten und KI-Ausgaben bewerteten. 2018 wurde Wang in die Forbes-Liste „30 Under 30” in der Kategorie Unternehmenstechnologie aufgenommen; 2021 machte ihn sein Vermögen zum jüngsten selbstgemachten Milliardär der Welt.

Meta-Deal und Wechsel zum Chief AI Officer

Am 13. Juni 2025 schloss Meta seine bis dahin größte strategische KI-Investition ab: 14,3 Milliarden US-Dollar für 49 Prozent der Anteile an Scale AI, bei einer Gesamtbewertung des Unternehmens von über 29 Milliarden US-Dollar (CNBC 2025). Wang trat als CEO zurück, blieb aber Mitglied des Scale-Verwaltungsrats, und wechselte selbst zu Meta – als erster Chief AI Officer in der Geschichte des Konzerns.

Anlass für die Neuaufstellung war die schwache Aufnahme von Metas Llama-4-Modellreihe, mit der der Konzern gegenüber Wettbewerbern zurückgefallen war. Konzernchef Mark Zuckerberg trieb die Neuausrichtung persönlich voran und gründete am 30. Juni 2025 Meta Superintelligence Labs (MSL) als gebündelte KI-Einheit, die Wang gemeinsam mit dem früheren GitHub-Chef Nat Friedman leitet. Im August 2025 wurde MSL in vier Bereiche gegliedert, darunter eine von Wang geleitete Forschungseinheit für Grundlagenmodelle.

Begleitet wurde die Neuaufstellung von einer branchenweit aufsehenerregenden Abwerbekampagne, in deren Zuge Meta Fachkräften von OpenAI, Google DeepMind und Anthropic Antrittsprämien in teils neunstelliger Höhe bot. Wangs frühere Rolle als Datenlieferant der gesamten Branche verschaffte ihm dabei nach Einschätzung von Beobachtern einen genauen Überblick darüber, welche Forschenden bei welchen Anbietern an welchen Fragestellungen arbeiteten.

Sein Vermögen wurde im September 2026 (Forbes 2026) auf rund 3,2 Milliarden US-Dollar geschätzt – deutlich unter dem Wert, den seine Scale-Anteile vor dem Meta-Deal erreicht hatten, da ein Großteil davon in den Verkauf floss beziehungsweise bei bestehenden Investoren und Mitarbeitenden verblieb.

Kontroversen und Kritik

Scale AI sieht sich seit Ende 2024 mehreren Klagen wegen Fehleinstufung von Arbeitskräften ausgesetzt; Wang selbst wird in mindestens einem Verfahren persönlich als Beklagter genannt. Frühere Auftragnehmer:innen werfen dem Unternehmen vor, sie systematisch als Selbstständige statt als Angestellte geführt und damit kalifornisches Mindestlohnrecht unterlaufen zu haben. Eine Sammelklage führte zu einer vorläufig genehmigten Ausgleichszahlung von 12,5 Millionen US-Dollar für Betroffene der Jahre 2020 bis 2026 (King & Siegel LLP 2026). Eine gesonderte Klage vom Januar 2025 wirft Scale vor, Arbeitskräfte ohne ausreichende psychologische Unterstützung mit verstörenden Prompt-Inhalten konfrontiert zu haben; das US-Arbeitsministerium ermittelt seit mindestens August 2024 wegen möglicher Verstöße gegen den Fair Labor Standards Act. Ein 2023 veröffentlichter Bericht der Washington Post beschrieb zudem gering bezahlte Auftragsarbeit philippinischer Datenannotator:innen unterhalb des dortigen Mindestlohns.

Der Wechsel selbst löste eine Debatte über Interessenkonflikte aus. Scale blieb auch nach der Meta-Beteiligung formal unabhängig und belieferte weiterhin Konkurrenten wie OpenAI und Google mit Trainingsdaten – solange diese bereit waren, mit einem Unternehmen zusammenzuarbeiten, an dem zu 49 Prozent ein direkter Wettbewerber beteiligt war (CNBC 2025). Google, bis dahin mit rund 200 Millionen US-Dollar Jahresvolumen größter Einzelkunde für Gemini-Trainingsdaten (CNBC 2025), sowie OpenAI, Microsoft und xAI kündigten die Zusammenarbeit mit Scale daraufhin auf oder reduzierten sie deutlich – aus Sorge, über den gemeinsamen Datendienstleister Einblick in eigene Forschungsprioritäten und Produktpläne an Meta zu verlieren. Kritiker sehen darin einen strukturellen Konflikt: Wang, der jahrelang als neutraler Zulieferer galt, wechselte in die Führung genau jenes Konzerns, dessen Konkurrenten zuvor seine wichtigsten Kunden gewesen waren.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Forbes: „Alexandr Wang” (Vermögensprofil, Stand September 2026). https://www.forbes.com/profile/alexandr-wang/
  2. Meta: „Alexandr Wang, Chief AI Officer” (offizielle Biografie). https://www.meta.com/about/leadership/alexandr-wang/
  3. CNBC, 12. Juni 2025: „Meta to take 49% stake in Scale AI, and its CEO will join Meta to work on ‘superintelligence’“. https://www.cnbc.com/2025/06/12/meta-scale-ai-stake-alexandr-wang.html
  4. CDO Magazine: „Meta Appoints Alexandr Wang as Chief AI Officer”. https://www.cdomagazine.tech/leadership-moves/meta-appoints-alexandr-wang-as-chief-ai-officer
  5. TechCrunch, 22. Januar 2025: „Scale AI is facing a third worker lawsuit in about a month”. https://techcrunch.com/2025/01/22/scale-ai-is-facing-a-third-worker-lawsuit-in-about-a-month
  6. TechCrunch, 6. März 2025: „Scale AI is being investigated by the US Department of Labor”. https://techcrunch.com/2025/03/06/scale-ai-is-being-investigated-by-the-us-department-of-labor
  7. King & Siegel LLP, 2026: „Scale AI Pays $12.5 Million Over Claims It Built Its AI Pipeline on Misclassified Workers”. https://www.kingsiegel.com
  8. CNBC, 14. Juni 2025: „Google, Scale AI’s largest customer, plans split after Meta deal, sources say”. https://www.cnbc.com/2025/06/14/google-scale-ai-split-meta-deal.html

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