Lawrence Joseph „Larry” Ellison (* 17. August 1944 in New York City) ist ein US-amerikanischer Unternehmer. Er gründete 1977 Oracle und führte das Unternehmen bis 2014 als Chief Executive Officer; seither ist er Executive Chairman und Chief Technology Officer sowie weiterhin größter Einzelaktionär. Im Zuge des KI-Booms baute Ellison Oracle Cloud Infrastructure (OCI) zu einem der wichtigsten Rechenleistungs-Zulieferer für das Training großer KI-Modelle aus und positionierte das Unternehmen als zentralen Partner des Infrastrukturvorhabens „Stargate”; im September 2025 machte ihn ein Kurssprung der Oracle-Aktie zeitweise zum reichsten Menschen der Welt.
Zusammenfassung
Ellison gründete Oracle 1977 mit zwei Partnern auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Papiers über relationale Datenbanken und baute das Unternehmen über vier Jahrzehnte zu einem der größten Softwarekonzerne der Welt aus. 2014 gab er den CEO-Posten ab, blieb aber als Executive Chairman und Chief Technology Officer operativ eng eingebunden und damit die prägende Figur des Unternehmens.
Ab Mitte der 2020er Jahre verschob Oracle unter Ellisons Führung seinen strategischen Schwerpunkt: Statt vorrangig Datenbanksoftware zu verkaufen, positionierte sich das Unternehmen über Oracle Cloud Infrastructure (OCI) als Vermieter von Rechenleistung für das Training großer KI-Modelle. Zentraler Baustein dieser Strategie ist die Beteiligung an „Stargate”, einem im Januar 2025 im Weißen Haus vorgestellten, mehrere hundert Milliarden US-Dollar schweren Rechenzentrums-Vorhaben gemeinsam mit OpenAI und SoftBank. Im September 2025 ließ die Ankündigung eines milliardenschweren Cloud-Auftrags von OpenAI die Oracle-Aktie an einem Tag im Intraday-Handel um bis zu 43 Prozent steigen (Schlusskurs rund 36 Prozent Plus, Bloomberg 2025) und machte Ellison für kurze Zeit zum reichsten Menschen der Welt.
Die massiv ausgeweiteten Kapitalausgaben für KI-Rechenzentren finanziert Oracle zunehmend über Fremdkapital, was Ratingagenturen und Anleihemärkte 2026 zunehmend kritisch beobachten: Die Kosten für die Absicherung von Oracle-Anleihen gegen einen Zahlungsausfall erreichten im Jahresverlauf mehrfach mehrjährige Höchststände, Kreditanalysten werten Oracles Credit Default Swaps inzwischen als eine Art Stimmungsbarometer für die Verschuldungsrisiken des gesamten KI-Infrastrukturbooms.
Werdegang
Ellison wurde 1944 in New York City geboren und wuchs bei einer Tante und einem Onkel in Chicago auf, nachdem seine leibliche Mutter ihn im Kindesalter zur Adoption freigegeben hatte. Er studierte an der University of Illinois at Urbana-Champaign und später an der University of Chicago, brach beide Studiengänge jedoch ab, ohne einen Abschluss zu erwerben. In den 1970er Jahren arbeitete er als Programmierer für mehrere Technologieunternehmen in Kalifornien, unter anderem für Amdahl Corporation und Ampex.
1977 gründete Ellison gemeinsam mit Bob Miner und Ed Oates das Unternehmen Software Development Laboratories, das er auf Grundlage eines von IBM-Forscher Edgar F. Codd veröffentlichten wissenschaftlichen Papiers über relationale Datenbanken aufbaute. Das Unternehmen benannte sich später nach seinem Hauptprodukt in Oracle um und ging 1986 an die Börse. Unter Ellisons Führung als CEO wuchs Oracle über aggressive Verkaufsstrategien, zahlreiche Übernahmen von Wettbewerbern wie PeopleSoft und Siebel Systems sowie den Ausbau des Datenbankgeschäfts zu einem der größten Softwareunternehmen der Welt.
2014 übergab Ellison den CEO-Posten an Safra Catz und Mark Hurd und wechselte in die Rolle des Executive Chairman und Chief Technology Officer, in der er bis heute maßgeblich an Produktstrategie und Technologieentscheidungen des Unternehmens beteiligt ist. Nach Hurds Tod 2019 führte Catz Oracle bis September 2025 allein als CEO, während Ellison die technologische Ausrichtung prägt; seither teilen sich Clay Magouyrk und Mike Sicilia als Ko-CEOs die operative Konzernführung, Catz wechselte in die Position der Executive Vice Chair.
Oracle Cloud Infrastructure als KI-Rechenzentrale
Anders als die etablierten Cloud-Anbieter Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud trat Oracle unter Ellisons Führung vergleichsweise spät und aggressiv in den Markt für KI-taugliche Cloud-Rechenleistung ein. Oracle Cloud Infrastructure (OCI) positionierte sich dabei gezielt als Anbieter großer, für das Training und den Betrieb großer Sprachmodelle optimierter GPU-Cluster und warb mit Kostenvorteilen gegenüber den Platzhirschen.
Im September 2025 gab Oracle bekannt, mit einem verbleibenden Auftragsvolumen (Remaining Performance Obligations) von rund 455 Milliarden US-Dollar sprunghaft gewachsen zu sein, ein Großteil davon KI-bezogene Cloud-Verträge (Built In 2025). Die Ankündigung, wonach OCI-Umsätze binnen fünf Jahren von rund zehn Milliarden auf über 140 Milliarden US-Dollar jährlich wachsen sollten, ließ die Oracle-Aktie an einem einzigen Handelstag im Intraday-Handel um bis zu 43 Prozent steigen, der Schlusskurs lag rund 36 Prozent plus – der größte Tagesgewinn seit 1992 (Bloomberg 2025). Ellisons Vermögen wuchs dadurch an einem Tag um rund 89 Milliarden US-Dollar (Bloomberg 2025); am 10. September 2025 überholte er kurzzeitig Elon Musk als reichsten Menschen der Welt, bevor sein Vermögen in den Folgetagen inmitten aufkommender Zweifel an der Tragfähigkeit des Deals wieder um rund 34 Milliarden US-Dollar sank (Fortune 2025).
Die Stargate-Beteiligung
Im Januar 2025 kündigten OpenAI, SoftBank und Oracle gemeinsam mit der Investmentgesellschaft MGX im Weißen Haus das Vorhaben „Stargate” an: ein auf bis zu 500 Milliarden US-Dollar über vier Jahre veranschlagtes Programm zum Bau von KI-Rechenzentren in den USA, mit einer Startinvestition von 100 Milliarden Dollar (Fortune 2025). Ellison trat gemeinsam mit OpenAI-Chef Sam Altman und SoftBank-Chef Masayoshi Son bei der Ankündigung öffentlich auf; Oracle übernahm die Rolle des zentralen Infrastruktur- und Betriebspartners.
Kernstück des Vorhabens ist ein Rechenzentrumscampus in Abilene, Texas, wo Oracle im Rahmen eines auf 15 Jahre angelegten Leasingvertrags perspektivisch mehr als 450.000 Nvidia-GB200-Grafikprozessoren betreiben soll (Fortune 2025); die ersten Gebäude nahmen im September 2025 den Betrieb auf. Im September 2025 vereinbarten Oracle und OpenAI zusätzlich einen eigenständigen Cloud-Rechenleistungsvertrag im Volumen von rund 300 Milliarden US-Dollar über fünf Jahre ab 2027 (Built In 2025), der die Kapazität für den weiteren Ausbau von Stargate liefern soll. Bis Ende 2025 summierte sich das über Stargate zugesagte Investitionsvolumen nach Unternehmensangaben auf mehr als 400 Milliarden US-Dollar bei knapp sieben Gigawatt geplanter Rechenleistung, mit dem erklärten Ziel, die ursprünglich angekündigten zehn Gigawatt und 500 Milliarden US-Dollar zu erreichen (Fortune 2025).
Kontroversen und Kritik
Die aggressive Expansion von Oracles KI-Infrastruktur wird zunehmend über Fremdkapital finanziert, was Analysten und Ratingagenturen als wachsendes Risiko einstufen. Für das Geschäftsjahr 2026 hob Oracle seine Investitionsausgaben-Prognose auf rund 50 Milliarden US-Dollar an, deutlich über den ursprünglichen Erwartungen; im zweiten Quartal lagen die tatsächlichen Investitionsausgaben mit zwölf Milliarden US-Dollar bereits über den Analystenschätzungen (The Motley Fool 2026). Die Ratingagentur-nahe Bank Barclays stufte Oracles Anleihen im November 2025 auf „Underweight” herab und warnte, das Rating könne auf BBB– fallen – die niedrigste Stufe vor dem Verlust des Investment-Grade-Status.
Die Kosten für Credit Default Swaps auf Oracle-Anleihen, mit denen sich Investoren gegen einen Zahlungsausfall absichern, erreichten im Verlauf des Jahres 2026 wiederholt mehrjährige Höchststände; im Juli 2026 markierten sie nach Bloomberg-Daten den höchsten Stand seit rund 18 Jahren. Kreditanalysten werteten Oracles Anleihe-Risikoaufschlag dabei zunehmend als eine Art Stellvertreter-Indikator für die Verschuldungsrisiken des gesamten KI-Infrastrukturbooms, da Oracles Wachstum eng an die Zahlungsfähigkeit einzelner Großkunden wie OpenAI gekoppelt ist. Kritiker verweisen zudem darauf, dass ein erheblicher Teil der ausgewiesenen Auftragsvolumina auf langfristigen, noch nicht vollständig abgesicherten Verträgen beruht, deren tatsächliche Werthaltigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung der KI-Branche insgesamt abhängt – eine Sorge, die Anfang 2026 zu den ohnehin verbreiteten Debatten über eine mögliche Überbewertung des KI-Sektors beitrug.
Verwandte Begriffe
- OpenAI – Vertragspartner bei Stargate und im 300-Milliarden-Dollar-Cloud-Deal mit Oracle
- Compute (Rechenleistung) – die Ressource, um deren Vermarktung sich Oracles KI-Strategie unter Ellison dreht
- GPU – die Chip-Kategorie, auf der Oracles KI-Rechenzentren aufbauen
- Jensen Huang – Chef des zentralen Zulieferers Nvidia, dessen Grafikprozessoren Oracles KI-Infrastruktur bestücken
Quellenangaben
- Wikipedia: „Larry Ellison”, Stand September 2026. https://en.wikipedia.org/wiki/Larry_Ellison
- Bloomberg, 10. September 2025: „Oracle Co-Founder Larry Ellison Closes In on Elon Musk as World’s Richest”. https://www.bloomberg.com/news/articles/2025-09-10/oracle-co-founder-larry-ellison-closes-in-on-elon-musk-as-world-s-richest-man
- Fortune, 18. September 2025: „Larry Ellison loses $34 billion days after topping world’s richest list as ‘AI bubble’ fears grow”. https://fortune.com/2025/09/18/larry-ellison-billionaires-list-34-billion-loss-oracle-stock-openai-deal-skepticism-elon-musk-tesla/
- Fortune, 21. Januar 2025: „Stargate AI: OpenAI, Oracle, Nvidia, MGX, SoftBank, Trump, Sam Altman, Larry Ellison, Masayoshi Son”. https://fortune.com/2025/01/21/stargate-ai-openai-oracle-nvidia-mgx-softbank-trump-sam-altman-larry-ellison-masayoshi-son
- Built In, 11. September 2025: „OpenAI Signs $300B Cloud Deal With Oracle to Expand Stargate Data Centers”. https://builtin.com/articles/openai-300b-cloud-deal-oracle-20250911
- Bloomberg, 20. Juli 2026: „Oracle Credit Risk Hits Near 18-Year High on AI Debt-Load Angst”. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-07-20/oracle-credit-risk-hits-near-18-year-high-on-ai-debt-load-angst
- The Motley Fool, 10. April 2026: „Oracle’s Credit Risk Is At an All-Time High, Due to Heavy Investment in AI”. https://www.fool.com/investing/2026/04/10/oracles-credit-risk-is-at-an-all-time-high/
- Forbes: „Larry Ellison” (Vermögensprofil). https://www.forbes.com/profile/larry-ellison/