Open Philanthropy (seit November 2025 firmierend als Coefficient Giving) ist eine US-amerikanische Förderorganisation, die Mittel nach dem Grundsatz größtmöglicher Wirkung je eingesetztem Betrag vergibt. Sie ist der bedeutendste private Geldgeber im Bereich der KI-Sicherheitsforschung und prägte den Begriff Transformative AI.
Zusammenfassung
Die Organisation ging aus einer Zusammenarbeit der Wohltätigkeitsbewertungsstelle GiveWell mit der Stiftung Good Ventures hervor, die Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz und die Journalistin Cari Tuna 2011 gegründet hatten.
2014 als Open Philanthropy Project benannt, wurde sie 2017 eigenständig und 2019 in Open Philanthropy umbenannt.
Im November 2025 erfolgte die Umbenennung in Coefficient Giving, verbunden mit der Öffnung für weitere Geldgeber. Ihre Bedeutung für die KI-Debatte liegt weniger in eigener Forschung als in der Mittelvergabe: Ein erheblicher Teil der institutionellen KI-Sicherheitsforschung wird von ihr finanziert. Damit verbunden ist die häufigste Kritik – die Konzentration der Feldfinanzierung auf einen einzelnen Geber.
Entstehung und Struktur
2011 gründeten Dustin Moskovitz und Cari Tuna die Stiftung Good Ventures. Tuna, zuvor Journalistin beim Wall Street Journal, übernahm die Leitung der gemeinsamen Fördertätigkeit. Beide orientierten sich an der Argumentation Peter Singers, wonach Vermögende nicht nur zum Teilen, sondern zum wirksamen Teilen verpflichtet seien, und unterzeichneten den Giving Pledge.
Aus der Zusammenarbeit mit GiveWell, gegründet von Holden Karnofsky und Elie Hassenfeld, entstand GiveWell Labs, ab 2014 Open Philanthropy Project. 2017 wurde die Organisation als eigenständige Gesellschaft ausgegliedert.
Die Fördertätigkeit läuft über mehrere verbundene Rechtsträger. Der Großteil der Mittel stammt aus dem Vermögen von Moskovitz und Tuna; seit 2025 beteiligen sich weitere Geber, was die Umbenennung in Coefficient Giving begleitet.
Förderbereiche
Die Organisation unterscheidet zwei Hauptbereiche:
| Bereich | Gegenstand | Nachweisbarkeit |
|---|---|---|
| Global Health and Wellbeing | Malaria, Wurmbehandlungen, Bleibelastung | hoch, belegbarer Nutzen |
| Global Catastrophic Risks | Pandemien, Biosicherheit, KI-Risiken | gering, spekulativer |
Global Health and Wellbeing – unmittelbar wirksame Maßnahmen mit belegbarem Nutzen, darunter Malariabekämpfung, Wurmbehandlungen, Vitaminversorgung und die Reduzierung von Bleibelastung. Dies ist der größte Förderbereich nach Volumen.
Global Catastrophic Risks – Risiken mit potenziell sehr großer Reichweite, darunter Pandemievorsorge, Biosicherheit und Risiken fortgeschrittener KI. Dieser Bereich war ein wesentlicher Grund für die Verselbständigung: Er sollte Vorhaben ermöglichen, die spekulativer und weniger erprobt sind, als es das Bewertungsverfahren von GiveWell zuließ.
Hinzu kommen Wissenschaftsförderung, Tierschutz und Politikarbeit.
Rolle in der KI-Debatte
Begriffsprägung
Der Begriff Transformative AI stammt aus dem Umfeld der Organisation. Er bestimmt KI über ihre gesellschaftliche Wirkung – vergleichbar mit industrieller oder landwirtschaftlicher Revolution – statt über kognitive Fähigkeiten. Holden Karnofsky führte zudem den Ausdruck PASTA ein, der ein System bezeichnet, das den wissenschaftlich-technischen Fortschritt selbst automatisiert.
Die begriffliche Wahl folgt der Förderlogik: Für Mittelvergabe ist die Wirkung maßgeblich, nicht die Frage, ob ein System als allgemein intelligent gilt.
Mittelvergabe
Die Organisation gehört zu den größten Geldgebern der KI-Sicherheitsforschung. Zu den Empfängern zählen unter anderem das Center for Security and Emerging Technology, RAND und das Center for AI Safety.
Kritik
Konzentration. Ein erheblicher Teil der institutionellen KI-Sicherheitsforschung hängt an einem Geber. Kritiker sehen darin ein strukturelles Risiko für die Unabhängigkeit des Feldes: Förderentscheidungen einer einzelnen Organisation bestimmen mit, welche Fragen bearbeitet werden.
Weltanschaulicher Hintergrund. Die Organisation ist eng mit dem Effektiven Altruismus verbunden. Aus der sozio-technischen Kritik – unter anderem von Timnit Gebru und Émile P. Torres – wird eingewandt, dass die Ausrichtung auf hypothetische Zukunftsrisiken gegenwärtige, dokumentierte Schäden verdränge und einer bestimmten technikutopischen Weltdeutung folge.
Reputationsfolgen. Die Verbindung des Effektiven Altruismus mit dem Zusammenbruch der Kryptobörse FTX belastete das Umfeld, auch wenn Open Philanthropy daran nicht beteiligt war.
Selbstbewertung. Die Organisation bezeichnet ihre Arbeit selbst als risikobehaftet und erwartet, dass ein Großteil der Vorhaben wirkungslos bleibt – eine Offenheit, die als Stärke wie als Eingeständnis mangelnder Überprüfbarkeit gelesen wird.
Die Rolle im Feld der KI-Sicherheit
Der Einfluss der Organisation lässt sich nicht an einzelnen Fördersummen ablesen, sondern an einer strukturellen Eigenschaft des Feldes: Die KI-Sicherheitsforschung hat nie eine breite, von vielen unabhängigen Geldgebern getragene Finanzierungsbasis entwickelt, wie sie in etablierten Wissenschaftszweigen üblich ist.
Wo Grundlagenforschung sonst über staatliche Förderorganisationen, Stiftungen unterschiedlicher Herkunft und Hochschuletats verteilt finanziert wird, hängt ein erheblicher Teil dieses Feldes an wenigen Quellen – und Open Philanthropy ist die größte davon.
Daraus folgen Wirkungen, die von Absichten unabhängig sind. Wenn eine Organisation zugleich Institute, Stipendien, Konferenzen, Publikationsorgane und einzelne Forschende fördert, prägt sie mit, welche Fragen als förderwürdig gelten – nicht durch Vorgaben, sondern dadurch, dass sich Anträge an erkennbaren Schwerpunkten ausrichten.
Wer eine Arbeit plant, die den Prämissen des Geldgebers widerspricht, hat schlechtere Aussichten, ohne dass jemand sie ablehnen müsste.
Die Organisation selbst hat auf dieses Problem reagiert, unter anderem durch die Delegation von Förderentscheidungen an externe Gremien und die Förderung von Arbeiten, die ihre eigenen Annahmen prüfen. Ob solche Vorkehrungen ausreichen, um die strukturelle Wirkung eines dominierenden Geldgebers auszugleichen, ist umstritten – und lässt sich, wie die Wirkung selbst, kaum messen.
Verwandte Begriffe
- Transformative AI – von der Organisation geprägter Begriff
- Effektiver Altruismus – Denkrichtung, der sie zuzuordnen ist
- Longtermism – verwandte Denkrichtung
- Existenzielles Risiko – Risikobegriff eines Förderbereichs
- Center for AI Safety – geförderte Organisation
- AI Alignment – geförderter Forschungsbereich
- TESCREAL – kritische Sammelbezeichnung
Quellenangaben
- Forbes (2025): Billionaires Are Jumping Into Coefficient Giving’s Pooled Philanthropy. 18. November 2025.
- Gebru, Timnit / Torres, Émile P., 2024. The TESCREAL Bundle: Eugenics and the Promise of Utopia through Artificial General Intelligence. In: First Monday 29 (4). DOI: 10.5210/fm.v29i4.13636.
- Inside Philanthropy (2025): Open Philanthropy Is Now Coefficient Giving. Here’s What Has (and Hasn’t) Changed. 24. November 2025.
- Karnofsky, Holden (Open Philanthropy) (2016): Some Background on Our Views Regarding Advanced Artificial Intelligence.
- Stanford Social Innovation Review (2019): Giving in the Light of Reason.
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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026
Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.