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Global Priorities Institute

Das Global Priorities Institute (GPI) ist eine 2018 gegründete Forschungseinrichtung der University of Oxford, die mit den Mitteln der Philosophie und der Volkswirtschaftslehre untersucht, wie sich begrenzte Ressourcen einsetzen lassen, um möglichst viel Gutes zu bewirken.

Zusammenfassung

Die Einrichtung ist der akademische Zweig des Effektiven Altruismus. Ihre Aufgabe ist es, dessen Grundannahmen dem Standard eines Fachbereichs auszusetzen, statt sie in Blogbeiträgen zu verhandeln.

Gründungsdirektorin war die Philosophin Hilary Greaves; William MacAskill gehörte zu den prägenden Mitgliedern.

Die Forschung teilt sich in zwei Stränge. Der eine untersucht den Longtermism – die Auffassung, dass der Einfluss auf die ferne Zukunft das Wichtigste unserer Zeit ist. Der andere behandelt allgemeine Fragen der Priorisierung, die auch ohne diese Auffassung bestehen.

Die Arbeiten sind formal und schwer zugänglich. Ihr Ertrag besteht häufig in negativen Ergebnissen: Nachweisen, dass sich bestimmte Anforderungen nicht zugleich erfüllen lassen.

Geschichte

Der Vorlauf reicht in die frühen 2010er Jahre, als in Oxford mit Giving What We Can und 80,000 Hours mehrere Organisationen des Effektiven Altruismus entstanden.

Diese arbeiteten praktisch und stützten sich auf Annahmen, die niemand systematisch geprüft hatte. Die Gründung des GPI 2018 folgte der Einsicht, dass dafür ein akademischer Ort nötig ist.

Die Einrichtung ist an der Fakultät für Philosophie angesiedelt und arbeitet eng mit dem wirtschaftswissenschaftlichen Bereich zusammen – eine Verbindung, die für beide Fächer unüblich ist.

2019 erschien die erste Forschungsagenda, die das Feld absteckte. Sie wurde seither mehrfach überarbeitet.

Die bekannteste Arbeit ist Greaves’ und MacAskills Aufsatz zum starken Longtermism, der die Position in ihrer schärfsten Form formuliert und damit angreifbar macht.

Forschungsschwerpunkte

Longtermism. Die Prüfung des Arguments: Wenn die Zukunft sehr viele Menschen enthalten kann und wir sie beeinflussen können, folgt daraus, dass ihr Wohl unsere Entscheidungen bestimmen sollte?

Entscheidung unter Ungewissheit. Wie ist zu handeln, wenn Wahrscheinlichkeiten sich nicht angeben lassen? Hier liegt die Arbeit zum Fanaticism und zur Behandlung sehr kleiner Wahrscheinlichkeiten.

Bevölkerungsethik. Wie ist eine Welt mit mehr Menschen gegen eine mit weniger, aber besser lebenden abzuwägen? Ein Feld, das seit Parfit als ungelöst gilt.

Moralische Unsicherheit. Wie soll handeln, wer sich nicht sicher ist, welche ethische Theorie zutrifft?

Ökonomische Modellierung. Diskontierung künftiger Erträge, Wachstumsmodelle über sehr lange Zeiträume, der Wert von Forschungsausgaben.

KI als Priorität. Ob und warum die Entwicklung fortgeschrittener KI zu den dringlichsten Gegenständen gehört – eine Frage, die die Einrichtung mit den Mitteln der Priorisierungsforschung behandelt, nicht mit technischen.

Anwendungsfelder

Fördermittelvergabe. Stiftungen im Umfeld des Effektiven Altruismus stützen ihre Entscheidungen auf die Argumente der Einrichtung.

Akademische Anerkennung. Ihre Aufsätze erscheinen in fachlich anerkannten Zeitschriften – ein wesentlicher Unterschied zur früheren Blog-Praxis der Bewegung.

Nachwuchsförderung. Stipendien und Sommerprogramme ziehen Promovierende in dieses Feld.

Politikberatung. Mittelbar über Organisationen, die die Argumente aufnehmen, weniger durch eigene Stellungnahmen.

Kontroversen und Kritik

Ergebnisse stehen vorher fest. Der häufigste Einwand: Eine Einrichtung, die zur Prüfung der Annahmen einer Bewegung von dieser Bewegung finanziert wird, kommt selten zu Ergebnissen, die ihr widersprechen.

Fanatismus-Verdacht. Die eigene Forschung hat gezeigt, dass Erwartungswertmaximierung zu Folgerungen führt, die kaum jemand hinnehmen will. Kritiker sehen darin ein Argument gegen die Grundlagen der Bewegung; die Einrichtung behandelt es als offenes Problem.

Weltferne. Die Arbeiten sind abstrakt und für Nichtfachleute unlesbar. Ob ein Feld, das über Verteilungsfragen entscheidet, so beschaffen sein sollte, ist eine eigene Frage.

FTX-Verbindung. Die Bewegung erhielt vor 2022 erhebliche Mittel aus dem Umfeld von Sam Bankman-Fried. Die Einrichtung hat ihre Finanzierungsquellen danach überprüft; der Vorgang belastet die Wahrnehmung weiterhin.

Verdrängungsvorwurf. Wie gegenüber der gesamten Langzeitrisikoforschung wird eingewandt, die Aufmerksamkeit für ferne Zukünfte gehe auf Kosten gegenwärtiger Not.

Was ein akademischer Ort für eine Bewegung leistet

Die Gründung dieser Einrichtung ist ein ungewöhnlicher Vorgang: Eine Bewegung finanziert eine Stelle, deren Aufgabe darin besteht, ihre eigenen Grundannahmen zu prüfen.

Der Verdacht liegt nahe, dass so etwas nicht funktioniert – dass eine bezahlte Prüfung zur Bestätigung wird. Die Arbeiten der Einrichtung sprechen teilweise dagegen, und zwar an einer bezeichnenden Stelle.

Das Ergebnis zum Fanatismus stammt von hier. Es zeigt, dass die Erwartungswertregel, auf der ein großer Teil der Argumente der Bewegung beruht, zu Folgerungen führt, die deren eigene Vertreter ablehnen – und dass keine der bekannten Reparaturen ohne Preis auskommt.

Das ist kein Beweis für Unbefangenheit, aber ein Befund, den eine bloße Legitimationseinrichtung nicht hervorgebracht hätte.

Zugleich zeigt der Vorgang die Grenze dieser Anordnung. Das Ergebnis liegt seit Jahren vor, und die Praxis der Bewegung hat sich nicht erkennbar daran geändert. Prüfung und Handeln sind institutionell getrennt – die Einrichtung darf zu unbequemen Ergebnissen kommen, weil niemand verpflichtet ist, ihnen zu folgen.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Beckstead, Nicholas / Thomas, Teruji (2021): A Paradox for Tiny Probabilities and Enormous Values. Global Priorities Institute Working Paper 7-2021. globalprioritiesinstitute.org
  2. Global Priorities Institute (2020): A Research Agenda for the Global Priorities Institute. Oxford.
  3. Greaves, Hilary / MacAskill, William, 2021. The Case for Strong Longtermism. Global Priorities Institute Working Paper No. 5-2021.
  4. MacAskill, William, 2022. What We Owe the Future.

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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026

Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.