Gregory „Greg” Brockman (* 29. November 1987 in Thompson, North Dakota) ist ein US-amerikanischer Unternehmer und Softwareingenieur. Er ist Mitgründer, Vorstandsvorsitzender und Präsident von OpenAI und leitete das Unternehmen zuvor als Chief Technology Officer; zuvor war er als erster Chief Technology Officer von Stripe für den technischen Aufbau des Zahlungsdienstleisters verantwortlich. Während der Absetzung von Sam Altman im November 2023 trat er aus Solidarität von seinen Ämtern zurück und kehrte wenige Tage später gemeinsam mit Altman zurück.
Zusammenfassung
Brockmans Werdegang verläuft von einem naturwissenschaftlich geprägten Elternhaus in North Dakota über zwei abgebrochene Studiengänge an Harvard und MIT zur technischen Führung von Stripe und schließlich zur Mitgründung von OpenAI im Dezember 2015. Während seine Mitgründer Sam Altman und Ilya Sutskever öffentlich stärker als strategische beziehungsweise wissenschaftliche Köpfe des Unternehmens wahrgenommen werden, gilt Brockman als der Baumeister der technischen Infrastruktur und Kultur des Unternehmens – bekannt für ein extremes persönliches Arbeitspensum und dafür, selbst als Präsident weiterhin Code zu schreiben.
Zur öffentlich sichtbarsten Figur wurde er im November 2023, als er unmittelbar nach Altmans Absetzung als CEO sein Amt niederlegte und damit zum Katalysator des internen Widerstands wurde, der Altmans Rückkehr binnen weniger Tage erzwang. 2024 legte er eine mehrmonatige Auszeit ein, kehrte im November desselben Jahres zurück und leitet seither als Präsident die für die technische Skalierung des Unternehmens zuständige Organisation.
Sein wirtschaftliches Gewicht wurde im Mai 2026 öffentlich, als er im Rahmen der Klage Musk v. Altman vor Gericht offenlegte, sein OpenAI-Anteil sei knapp 30 Milliarden US-Dollar wert (Forbes 2026) – obwohl er selbst nie eigenes Kapital investiert habe.
Werdegang
Brockman wuchs auf einer Farm nahe Thompson, North Dakota, auf und zeigte früh mathematisches und naturwissenschaftliches Talent: An der Red River High School gewann er 2006 eine Silbermedaille bei der Internationalen Chemieolympiade und war der erste Finalist aus North Dakota beim Intel Science Talent Search seit 1973. 2008 begann er ein Mathematikstudium an der Harvard University, das er nach einem Jahr abbrach; anschließend wechselte er an das MIT, um Informatik zu studieren, brach jedoch auch dieses Studium 2010 ab, um bei dem gerade gegründeten Zahlungsdienstleister Stripe einzusteigen.
Bei Stripe baute Brockman das technische Team über mehrere Jahre auf und wurde 2013 zum ersten Chief Technology Officer des Unternehmens ernannt; unter seiner technischen Führung wuchs die Belegschaft von rund fünf auf über 200 Mitarbeitende. Im Mai 2015 verließ er Stripe, um sich der Gründung eines neuen KI-Forschungslabors zu widmen.
Im Dezember 2015 gründete Brockman gemeinsam mit Sam Altman, Ilya Sutskever, Elon Musk, Wojciech Zaremba, John Schulman und weiteren OpenAI als gemeinnützige Forschungsorganisation mit. Er übernahm die Rolle des Chief Technology Officer und war maßgeblich am Aufbau des Gründungsteams beteiligt, das er zum Teil aus deutlich besser bezahlten Positionen bei anderen Technologieunternehmen abwarb; in der Frühphase arbeitete das Team zeitweise aus seiner Wohnung. Er leitete unter anderem die Projekte OpenAI Gym, eine Trainingsumgebung für Reinforcement-Learning-Agenten, und OpenAI Five, ein System, das professionelle Spieler im Videospiel Dota 2 besiegte. Am 14. März 2023 präsentierte er als CTO die Veröffentlichung von GPT-4.
Rücktritt und Rückkehr in der Führungskrise 2023
Am 17. November 2023 setzte der OpenAI-Vorstand Sam Altman als CEO ab und entfernte zugleich Brockman, zu diesem Zeitpunkt Vorstandsvorsitzender, aus dem Gremium – blieb aber zunächst Präsident. Noch am selben Tag erklärte Brockman öffentlich seinen Rücktritt aus Solidarität mit Altman. In einer später veröffentlichten eigenen Darstellung des Ablaufs schilderte er, vom Vorstand nur unzureichend über die Gründe der Entscheidung informiert worden zu sein.
Am 20. November 2023 kündigte Microsoft-Chef Satya Nadella an, Altman und Brockman würden ein neues KI-Forschungsteam bei Microsoft leiten. Innerhalb weniger Tage unterzeichnete der überwiegende Teil der OpenAI-Belegschaft einen offenen Brief, der den Rücktritt des Vorstands forderte und andernfalls den eigenen Wechsel zu Microsoft ankündigte. Am 21. November 2023 einigte sich der neu besetzte Vorstand auf die Wiedereinsetzung Altmans; Brockman kehrte zeitgleich in seine bisherigen Funktionen zurück.
Der Vorgang gilt in der Governance-Debatte um KI-Unternehmen als Beleg dafür, dass die Loyalität des Führungsteams und der Belegschaft im Ernstfall stärker wirkte als die formale Aufsichtsstruktur der gemeinnützig verfassten Organisation.
Sabbatical, aktuelle Rolle und wirtschaftliches Gewicht
Im August 2024 kündigte Brockman eine Auszeit „bis Jahresende” an, um sich – wie er selbst formulierte – erstmals seit der Gründung von OpenAI neun Jahre zuvor zu erholen. Im November 2024 kehrte er nach rund drei Monaten zurück und erklärte auf der Plattform X, der „längste Urlaub” seines Lebens sei vorbei.
Seither leitet Brockman als Präsident und Vorstandsvorsitzender eine als Scaling bezeichnete Organisation innerhalb von OpenAI, die für den Ausbau der technischen Infrastruktur zuständig ist, mit der das Unternehmen wachsende Nutzerzahlen und immer leistungsfähigere Modelle bedienen muss. Er beschreibt seine Rolle als Teil einer „von unten nach oben” organisierten Unternehmenskultur, in der er weiterhin an konkreten Produktentscheidungen mitwirkt, und bezeichnet die Belastung des Amts als „extrem stressig”; in einem Interview mit Fortune im Juli 2026 erklärte er, ohne die Unterstützung seiner Frau Anna wäre die Aufgabe für ihn nicht zu bewältigen.
Im Mai 2026 wurde Brockman als Zeuge im Prozess Musk v. Altman vernommen, in dem Elon Musk OpenAI und Altman unter anderem wegen der Umwandlung des Unternehmens in eine gewinnorientierte Struktur verklagt hatte. Dabei bezifferte Brockman den Wert seines eigenen OpenAI-Anteils – geschätzt zwischen 2,5 und 3 Prozent des Unternehmens – auf knapp 30 Milliarden US-Dollar (Forbes 2026) und betonte, selbst kein eigenes Kapital investiert zu haben. Am 18. Mai 2026 wies das zuständige Gericht Musks Klage wegen Verjährung vollständig ab; Altman und Brockman wurden nicht haftbar gemacht.
Bei der Vorstellung des Modells GPT-6 Astra am 3. September 2026 trat Brockman als Präsident öffentlich auf, bezeichnete das Modell als „Generationensprung” und erklärte, persönlich der Auffassung zu sein, allgemeine künstliche Intelligenz könnte damit erreicht sein – eine Einschätzung, die er ausdrücklich den Nutzer:innen zur eigenen Beurteilung überließ.
Positionen zu Entwicklungstempo und Sicherheit
Brockman hat wiederholt öffentlich gemacht, dass OpenAI Sicherheits- und Kapazitätsziele als gleichrangige Anforderungen behandle, zugleich aber unter dem Druck des Wettbewerbs mit anderen Anbietern stehe. In einem Gespräch mit Lex Fridman räumte er ein, dass ein langsamerer, vorsichtigerer Entwicklungspfad zwar verlässlicher sicher wäre, ein Unternehmen mit dieser Strategie im Wettlauf um KI-Fähigkeiten jedoch ins Hintertreffen geraten würde – weshalb OpenAI den schnelleren Weg wähle. In einem im September 2026 veröffentlichten Gespräch mit dem Branchenbeobachter Ben Thompson (Stratechery) erklärte er, Sicherheit, Robustheit und Ausrichtung würden angesichts wachsender Modellfähigkeiten zunehmend selbst zum Engpass der Entwicklung, nicht mehr allein die reine Rechenleistung.
Kontroversen und Kritik
Im Zusammenhang mit der Absetzung Altmans 2023 wurden gegenüber Brockman in Medienberichten auch Vorwürfe eines einschüchternden Führungsstils gegenüber Mitarbeitenden erhoben, die im Umfeld der damaligen Vorstandsentscheidung diskutiert wurden, ohne dass sie offizieller Bestandteil der Rücktrittsbegründung des Vorstands waren.
2025 spendeten Brockman und seine Frau nach Medienberichten jeweils 12,5 Millionen US-Dollar an den mit Donald Trump verbundenen Super-PAC MAGA Inc. (NBC News 2025) und beteiligten sich an der Gründung des Super-PACs Leading the Future, der gemeinsam mit Geldgebern aus dem Umfeld des Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz für eine zurückhaltendere KI-Regulierung wirbt. Diese politische Einflussnahme wird in Kommentaren kritisch diskutiert, da sie in Spannung zu OpenAIs eigener, ursprünglich gemeinnütziger Gründungserzählung stehe und zugleich die Frage aufwerfe, wie sich eine derart konzentrierte private Vermögensposition zur öffentlich formulierten Verantwortung für sichere KI-Entwicklung verhalte – ein Spannungsverhältnis, das ihm auch im Kreuzverhör während des Musk-Prozesses im Mai 2026 vorgehalten wurde.
Verwandte Begriffe
- Ilya Sutskever – Mitgründer von OpenAI, Chief Scientist bis 2024, an der Absetzung Altmans 2023 beteiligt
- Elon Musk – Mitgründer und späterer Kläger gegen OpenAI, Altman und Brockman
- GPT-6 Astra – Modell, dessen Vorstellung Brockman im September 2026 mit dem AGI-Anspruch verband
- GPT – Modellreihe, deren Infrastruktur unter Brockmans technischer Verantwortung entstand
- AGI – Zielbegriff, zu dessen Erreichen Brockman sich wiederholt öffentlich positionierte
Quellenangaben
- Fried, Ina, 2026. OpenAI releases new model GPT-6 Astra, says it may represent AGI. Axios, 3. September 2026. https://www.axios.com/2026/09/03/openai-astra-gpt-6-agi-brockman
- Novet, Jordan, 2024. OpenAI co-founder Greg Brockman returns after three months of leave. CNBC, 12. November 2024. https://www.cnbc.com/2024/11/12/openai-co-founder-greg-brockman-returns-after-three-months-of-leave.html
- Nieva, Richard, 2023. OpenAI President And Cofounder Quits Over Sam Altman Firing. Forbes, 17. November 2023. https://www.forbes.com/sites/richardnieva/2023/11/17/openai-president-and-co-founder-quits-over-sam-altman-firing/
- Park, Alicia, 2026. Greg Brockman Testifies Stake In OpenAI Worth Nearly $30 Billion—Despite Investing Nothing. Forbes, 4. Mai 2026. https://www.forbes.com/sites/aliciapark/2026/05/04/greg-brockman-testifies-stake-in-openai-worth-nearly-30-billion-despite-investing-nothing/
- Bloomberg, 2026. Brockman Says His Stake in OpenAI Worth Nearly $30 Billion. 4. Mai 2026. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-05-04/brockman-says-his-stake-in-openai-worth-nearly-30-billion
- Thompson, Ben, 2026. An Interview with OpenAI President Greg Brockman About Astra and Alignment. Stratechery, September 2026. https://stratechery.com/2026/an-interview-with-openai-president-greg-brockman-about-astra-and-alignment/
- Fortune, 2026. OpenAI President Greg Brockman interview, what it’s like to be a founder of the most high-stakes startup. 25. Juli 2026. https://fortune.com/2026/07/25/openai-president-greg-brockman-interview-challenges-pressure-high-stakes-ai-startup-hugging-face-regulation/
- Fried, Ina, 2023. How Sam Altman’s ouster went down, according to OpenAI’s ex-president. Axios, 18. November 2023. https://www.axios.com/2023/11/18/sam-altman-greg-brockman-openai-board-timeline
- NBC News, 2025. New megadonors with major business before the government back Trump’s super PAC. https://www.nbcnews.com/politics/politics-news/new-megadonors-major-business-government-back-trumps-super-pac-rcna252867