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Rodney Brooks

Rodney Allen Brooks (* 30. Dezember 1954 in Adelaide, Australien) ist ein australisch-amerikanischer Robotiker und emeritierter Professor am Massachusetts Institute of Technology. Er begründete mit der Subsumptionsarchitektur einen Gegenentwurf zur repräsentationsbasierten KI, gründete mehrere Robotikunternehmen und tritt als Kritiker überzogener Erwartungen an die KI-Entwicklung auf.

Zusammenfassung

Brooks’ Position lässt sich auf eine These zuspitzen, die er 1990 in dem Aufsatz Elephants Don’t Play Chess formulierte: Intelligenz entsteht aus der Interaktion mit der Welt, nicht aus deren interner Abbildung. Diese Haltung stellte er gegen die damals vorherrschende symbolische KI, deren Systeme – etwa der Roboter Shakey – ein Weltmodell aufbauten, um darauf zu planen.

Brooks’ Roboter verzichteten weitgehend auf ein solches Modell und koppelten Wahrnehmung unmittelbar an Handlung.

Als Unternehmer gründete er iRobot, Rethink Robotics und gemeinsam mit Gary Marcus das Unternehmen Robust.AI. In der gegenwärtigen Debatte äußert er sich regelmäßig skeptisch zu Zeitprognosen für AGI.

Werdegang

Brooks wuchs in Adelaide auf und erwarb an der Flinders University of South Australia Abschlüsse in reiner Mathematik (Bachelor 1975, Master 1978). Der dortige Zugang zum Großrechner der Universität bewog ihn zum Wechsel in die USA.

1981 promovierte er an der Stanford University in Informatik; als Betreuer werden Thomas Binford und John McCarthy genannt. Die Dissertation behandelte ein klassisches Problem der Bildverarbeitung und erschien erweitert als Model-Based Computer Vision (1984).

Nach Forschungsstationen an der Carnegie Mellon University und am MIT sowie einer Professur in Stanford wechselte er 1984 dauerhaft ans MIT, wo er Panasonic Professor of Robotics wurde. Von 1997 bis 2003 leitete er dessen Artificial Intelligence Laboratory, anschließend bis 2007 das aus einer Fusion hervorgegangene Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL). 2010 schied er aus der Fakultät aus; er ist Professor emeritus.

Unternehmerisch gründete er um 1990 mit Colin Angle und Helen Greiner iRobot, bekannt für den Staubsaugerroboter Roomba und für Robotik im militärischen und Rettungsbereich; er war dort bis 2011 in wechselnden Funktionen tätig.

2008 folgte Rethink Robotics (zunächst Heartland Robotics) mit dem Ziel, bezahlbare und im Umgang mit Menschen sichere Industrieroboter zu entwickeln; das Unternehmen stellte im Oktober 2018 den Betrieb ein. 2019 gründete er mit Gary Marcus das Unternehmen Robust.AI, dessen technischer Leiter er ist.

Brooks erhielt 1991 den Computers and Thought Award der IJCAI und 2021 einen Preis der NEC C&C Foundation, unter anderem für die Einführung der Subsumptionsarchitektur. Er ist Mitglied der National Academy of Engineering und mehrerer wissenschaftlicher Akademien.

Beiträge

Subsumptionsarchitektur

Die in den 1980er Jahren entwickelte Architektur ordnet Robotersteuerung in Schichten, von denen jede ein einfaches Verhalten realisiert und unmittelbar Sensoren mit Aktoren verbindet. Höhere Schichten können niedrigere unterdrücken, ohne dass ein zentrales Weltmodell oder eine Planungsinstanz erforderlich wäre.

Der zugrunde liegende Gedanke: Ein Weltmodell ist überflüssig, wenn die Welt selbst als Bezugsgröße verfügbar ist. Brooks fasste dies in der Formulierung, die Welt sei ihr eigenes bestes Modell.

Die Architektur führte zu Robotern, die in unstrukturierten Umgebungen robust agierten, und beeinflusste die verhaltensbasierte Robotik nachhaltig. Ihre Grenze liegt in Aufgaben, die vorausschauende Planung erfordern.

Verkörperung

Brooks’ Position ist Teil einer breiteren Auffassung, wonach Intelligenz nicht ohne Körper und Umweltbezug zu haben ist. Der Kaffee-Test von Steve Wozniak, der eine Maschine in einem fremden Haus Kaffee zubereiten lässt, entspricht dieser Sichtweise: Er prüft genau jene Alltagskompetenz, die sich nach Brooks nicht aus abstrakter Modellierung ergibt.

Prognosekritik

Brooks veröffentlicht seit Jahren öffentlich datierte Vorhersagen zu Robotik, autonomem Fahren und KI und wertet sie regelmäßig aus. Sein Argument: Prognosen in diesem Feld sind überprüfbar zu machen, statt unverbindlich zu bleiben. Er zählt zu den Vertretern, die Zeiträume für AGI innerhalb dieses Jahrzehnts für unplausibel halten, und verweist auf die Schwierigkeit, Fortschritte in der physischen Welt zu erzielen.

Einordnung

Brooks steht in einer bemerkenswerten Doppelstellung: Historisch war er der Kritiker der symbolischen KI, deren Vertreter – etwa Nils Nilsson – auf Repräsentation und Planung setzten.

Gegenüber der heutigen, lernbasierten KI vertritt er wiederum eine kritische Position, weil auch diese den Weltbezug unzureichend berücksichtige. Sein Einwand richtet sich in beiden Fällen gegen die Annahme, Intelligenz lasse sich unabhängig von der physischen Verankerung erreichen.

Dass er 2019 gemeinsam mit Gary Marcus ein Unternehmen gründete, verbindet zwei unterschiedlich begründete Kritiklinien: Marcus argumentiert kognitionswissenschaftlich für strukturierte Repräsentationen, Brooks robotisch für Verkörperung.

Werke (Auswahl)

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Brooks, Rodney A. (1984): Model-Based Computer Vision.
  2. Brooks, Rodney A., 1986. A Robust Layered Control System for a Mobile Robot. In: IEEE Journal of Robotics and Automation 2 (1), S. 14–23. DOI: 10.1109/JRA.1986.1087032.
  3. Brooks, Rodney A. (1990): Elephants Don’t Play Chess. In: Robotics and Autonomous Systems 6 (1–2), S. 3–15.
  4. Brooks, Rodney A., 1991. Intelligence Without Representation. In: Artificial Intelligence 47 (1–3), S. 139–159. DOI: 10.1016/0004-3702(91)90053-M.
  5. Brooks, Rodney A., laufend. Predictions Scorecard. https://rodneybrooks.com
  6. Computer History Museum, o. J. Rodney Brooks. Profilseite. https://computerhistory.org/profile/rodney-brooks/
  7. MIT CSAIL (2021): Brooks wins NEC C&C Foundation award for developing core AI tech. https://www.csail.mit.edu/node/9150

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Zuletzt bearbeitet: 10. August 2026

Zusammengestellt, formuliert, lektoriert und korrigiert mit KI-Unterstützung. Kuratiert von Nils Brauer. Alle Angaben ohne Gewähr.