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Thomas Wolf

Thomas Wolf ist ein französischer Physiker, Jurist und Unternehmer. Er ist Mitgründer und Chief Science Officer von Hugging Face, dem er seit der Gründung 2016 angehört und dessen wissenschaftliche Ausrichtung er seit 2017 als Chief Science Officer verantwortet.

Zusammenfassung

Wolfs Werdegang ist ungewöhnlich: Er studierte Physik, promovierte in statistischer und Quantenphysik, arbeitete als Patentanwalt – bevor er zur KI kam. 2016 gründete er mit Clément Delangue und Julien Chaumond Hugging Face.

Aus einer zunächst gescheiterten Chatbot-App entstand die Transformers-Bibliothek: ein zentrales Werkzeug des Open-Source-KI-Ökosystems. Zusammen mit dem Model Hub wurde sie zur Infrastruktur für offenes maschinelles Lernen.

Als Chief Science Officer leitete Wolf 2021/22 zudem den BigScience-Workshop, eine internationale Forschungskooperation mit über tausend Beteiligten, aus der das offene Sprachmodell BLOOM hervorging. Öffentlich tritt er als einer der sichtbarsten Fürsprecher offener KI-Modelle auf und warnt vor einer fortschreitenden Konzentration der KI-Entwicklung bei einer kleinen Zahl großer Technologiekonzerne.

Werdegang

Wolf studierte theoretische Physik an der École Polytechnique und promovierte anschließend an der Universität Pierre und Marie Curie (Sorbonne) in statistischer und Quantenphysik. Parallel erwarb er einen Jurastudienabschluss an der Universität Panthéon-Sorbonne sowie eine Zusatzqualifikation am Centre d’Études Internationales de la Propriété Intellectuelle (CEIPI) in Straßburg.

Von 2011 bis 2017 arbeitete Wolf als europäischer Patentanwalt bei der Kanzlei Cabinet Plasseraud in Paris. Er beriet Start-ups und Unternehmen beim Aufbau ihrer geistigen-Eigentums-Portfolios.

Programmieren blieb nach seiner Beschreibung eine Form „intellektuellen Spiels” – ein Weg, seine technische Neugier neben der juristischen Arbeit wachzuhalten. Ab etwa 2015 beriet er mehrere Deep-Learning-Start-ups und entdeckte dabei, dass viele mathematische Methoden der KI Verfahren der statistischen Physik waren. Diese Beobachtung weckte sein Interesse an maschinellem Lernen.

2016 gründete er zusammen mit Clément Delangue und Julien Chaumond in New York das Unternehmen Hugging Face, das zunächst als Chatbot-App für Jugendliche startete. Als das Team 2018/2019 die intern entwickelten NLP-Werkzeuge quelloffen veröffentlichte, löste die Resonanz aus der Entwicklergemeinschaft die Neuausrichtung des Unternehmens aus: An die Stelle der Chatbot-App trat die Transformers-Bibliothek als Kernprodukt.

Transformers, Model Hub und BigScience

Wolf gilt als treibende Kraft hinter der Transformers-Bibliothek. Sie machte vortrainierte Transformer-Sprachmodelle über eine einheitliche Programmierschnittstelle nutzbar und trug wesentlich zum Aufstieg des Hugging-Face-Model-Hub bei – des zentralen Verzeichnisses für offene Modelle.

Seit 2017 verantwortet Wolf als Chief Science Officer die wissenschaftliche Ausrichtung von Hugging Face, mit Schwerpunkt auf Reproduzierbarkeit, Transparenz und offener Zusammenarbeit.

2021/22 leitete Wolf als Generalvorsitzender den BigScience-Workshop, eine einjährige, international finanzierte Forschungskooperation mit über tausend Beteiligten weltweit.

Das sichtbarste Ergebnis war BLOOM – ein offenes Sprachmodell mit 176 Milliarden Parametern, veröffentlicht im Juli 2022 zusammen mit dem mehrsprachigen ROOTS-Trainingsdatensatz (BigScience Workshop 2022).

Wolf ist auch Mitautor des Fachbuchs Natural Language Processing with Transformers und des technischen Leitfadens The Ultra-Scale Playbook zum Training großer Modelle auf verteilter Infrastruktur.

Positionen zu offener KI

Wolf tritt öffentlich für offene gegenüber geschlossenen KI-Modellen ein und beschreibt „Democratizing AI” als Kernmission von Hugging Face.

Die aktuelle KI-Entwicklung besorgt ihn: Sie konzentriert Marktmacht bei einer Handvoll von Technologiekonzernen wie Microsoft, Google, Amazon und Meta. Wolf vertritt dagegen, dass die Zukunft der KI nicht allein von geschlossenen Labors bestimmt wird, sondern zunehmend in offenen Code-Repositorien, internationalen Forschungskooperationen und frei zugänglichen Experimenten entsteht.

Im September 2025 sprach Wolf bei TechCrunch Disrupt über die Zukunft offener KI-Modelle. Er verwies auf das gestiegene Unternehmensinteresse an offenen Modellen – ein Interesse, das er mit der DeepSeek-Veröffentlichung 2025 verknüpfte.

Wolfs Strategie ist klar: Werkzeuge breit verfügbar machen, der Community Raum lassen, eigene Anwendungen aufzubauen. Dieses Prinzip, sagt er, machte den Hugging-Face-Model-Hub zum Standardverzeichnis für offene Sprachmodelle.

Im September 2026 kündigte Nvidia die Übernahme von Hugging Face für rund 12,93 Milliarden US-Dollar an (NVIDIA 2026); das Unternehmen selbst erklärte dazu, Hugging Face solle eine offene Plattform für das gesamte KI-Ökosystem bleiben. Ob und wie sich Wolfs Rolle und die von ihm vertretene Offenheits-Mission unter neuer Eigentümerschaft entwickeln, lässt sich zum Redaktionsschluss dieses Artikels nicht beurteilen.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Founders File: „Thomas Wolf” (Profil). https://ff.co/profile/thomas-wolf
  2. Crunchbase: „Thomas Wolf – Co-founder, Chief Science Officer @ Hugging Face”. https://www.crunchbase.com/person/thomas-wolf-125f
  3. World Economic Forum: „Thomas Wolf” (Profil). https://www.weforum.org/people/thomas-wolf/
  4. TechCrunch, 18. September 2025: „Building the future of Open AI with Thomas Wolf at TechCrunch Disrupt 2025”. https://techcrunch.com/2025/09/18/building-the-future-of-open-ai-with-thomas-wolf-at-techcrunch-disrupt-2025/
  5. MIT Sloan Management Review: „Challenging the Average With Open-Source AI: Hugging Face’s Thomas Wolf”. https://sloanreview.mit.edu/audio/challenging-the-average-with-open-source-ai-hugging-faces-thomas-wolf/
  6. Sequoia Capital, Training Data Podcast: „Hugging Face’s Thomas Wolf on the ‘App Store’ for Robots”. https://sequoiacap.com/podcast/training-data-thomas-wolf
  7. NVIDIA, 2026. „NVIDIA to Acquire Hugging Face.” NVIDIA Blog, 3. September 2026.
  8. BigScience Workshop, 2022. „BLOOM: A 176B-Parameter Open-Access Multilingual Language Model.” arXiv:2211.05100.

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