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Yang Zhilin

Yang Zhilin (chinesisch 杨植麟; * 1992 in Shantou, Provinz Guangdong) ist ein chinesischer Unternehmer und KI-Forscher. Er ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender von Moonshot AI, dessen Chatanwendung und spätere offene Modellreihe Kimi zu den international meistbeachteten chinesischen KI-Projekten der 2020er Jahre zählt. Vor der Unternehmensgründung war Yang als Doktorand an der Carnegie Mellon University Mitautor der einflussreichen Sprachmodell-Arbeiten XLNet und Transformer-XL.

Zusammenfassung

Yang wuchs in Shantou auf, wechselte an der Tsinghua-Universität vom Maschinenbau zur Informatik und schloss dort als Jahrgangsbester ab. An der Carnegie Mellon University promovierte er in vier statt der üblichen sechs Jahre und war während dieser Zeit an Google Brain und bei Meta AI tätig; seine Arbeiten zu XLNet und Transformer-XL zählen bis heute zu den meistzitierten Beiträgen zur Sprachmodell-Architektur vor der breiten Durchsetzung von ChatGPT.

Im März 2023 gründete er gemeinsam mit früheren Studienkollegen Moonshot AI in Peking. Das Unternehmen veröffentlichte zunächst die Chatanwendung Kimi mit einem für den chinesischen Markt ungewöhnlich langen Kontextfenster, ab Juli 2025 dann mit Kimi K2 eine Reihe offener Modellgewichte. Nachfolgeversionen wie K2.5 und das im Juli 2026 vorgestellte K3 – zeitweise das größte quelloffen verfügbare Modell überhaupt – brachten Moonshot AI rasch wachsende Umsätze und eine binnen weniger Monate stark steigende Bewertung ein.

Yang gilt neben Liang Wenfeng (DeepSeek), Tang Jie (Zhipu AI) und Yan Junjie (MiniMax) als eine der prägenden Figuren einer neuen Generation chinesischer KI-Gründer, die den Rückstand zu amerikanischen Anbietern durch offene Modellgewichte statt durch Abschottung zu verkürzen versuchen. Zugleich sah er sich Ende 2024 mit einem Arbitrationsverfahren ehemaliger Investoren seines vorherigen Start-ups konfrontiert.

Werdegang

Yang wurde 1992 in Shantou in der südchinesischen Provinz Guangdong geboren. Trotz fehlender Programmiererfahrung gewann er nach einem Jahr Vorbereitung den ersten Preis der Guangdong-Region der Nationalen Olympiade für Informatik, was ihm eine Zulassungsempfehlung für die Tsinghua-Universität einbrachte; zusätzlich bestand er sowohl Tsinghuas eigene Aufnahmeprüfung als auch den regulären Gaokao mit einer der höchsten Punktzahlen seiner Heimatstadt. An der Tsinghua-Universität begann er zunächst mit Maschinenbau, wechselte jedoch nach eigener Aussage unter dem Eindruck eines Romans von Haruki Murakami zur Informatik und schloss das Studium 2015 als Jahrgangsbester ab. Während des Studiums gründete er die Rockband Splay – benannt nach der Datenstruktur Splay-Baum –, in der er als Schlagzeuger und Songwriter auftrat.

Nach dem Bachelorabschluss ging Yang 2015 an die Carnegie Mellon University in Pittsburgh, wo er unter Ruslan Salakhutdinov, dem späteren Leiter der KI-Forschung bei Apple, sowie William Cohen promovierte. Während der Promotion arbeitete er zeitweise bei Google Brain und Meta Platforms und veröffentlichte gemeinsam mit den Turing-Preisträgern Yoshua Bengio und Yann LeCun Arbeiten zu Sprachmodellen; seine bekanntesten Veröffentlichungen sind Transformer-XL und XLNet, zwei Arbeiten zur Verarbeitung langer Textsequenzen, die die Grundlagenforschung vor den großen Sprachmodellen mitprägten. Bereits 2016, noch während der Promotion, gründete er mit Kommilitonen das Start-up Recurrent AI, das KI-gestützte Vertriebswerkzeuge für Unternehmen entwickelte und dabei auf dem Transformer-XL-Verfahren aufbaute.

2019 schloss Yang seine Promotion nach vier statt der vorgesehenen sechs Jahre ab. Sowohl Stanford als auch das MIT boten ihm eine Postdoc-Stelle an, Apple versuchte ihn für sein Büro in Peking zu gewinnen – Yang entschied sich stattdessen, nach China zurückzukehren und dort ein eigenes Unternehmen aufzubauen. 2020 arbeitete er nach Presseberichten an einer frühen Version von Huaweis Sprachmodell PanGu mit, 2021 leitete er ein Team, das am WuDao-Sprachmodell der Beijing Academy of Artificial Intelligence beteiligt war. Nach eigener Aussage brachte ihn erst die Veröffentlichung von ChatGPT Ende 2022 endgültig dazu, sich auf generative KI zu konzentrieren; einen Monat nach dessen Erscheinen reiste er eigens in die USA, um sich ein genaueres Bild von der Technologie zu verschaffen.

Moonshot AI und Kimi

Im März 2023 gründete Yang gemeinsam mit Zhou Xinyu und Wu Yuxin – ebenfalls Tsinghua-Kommilitonen und frühere Bandmitglieder von Splay – das Unternehmen Moonshot AI in Peking. Der chinesische Firmenname 月之暗面 („die dunkle Seite des Mondes”) geht auf Yangs Lieblingsalbum The Dark Side of the Moon der Band Pink Floyd zurück; auch der Produktname Kimi stammt von Yangs englischem Rufnamen. Noch im selben Jahr brachte das Unternehmen die Chatanwendung Kimi auf den chinesischen Markt, deren zentrales Verkaufsargument ein für damalige Verhältnisse sehr langes verarbeitbares Kontextfenster war.

Mit Kimi K2 veröffentlichte Moonshot AI im Juli 2025 erstmals Modellgewichte zur freien Nutzung – ein Modell mit rund einer Billion Parametern, von denen je Anfrage etwa 32 Milliarden aktiv sind. K2 reihte sich in eine Bewegung chinesischer Anbieter offener Spitzenmodelle ein, die DeepSeek Anfang 2025 angestoßen hatte, und belegte in unabhängigen Bewertungen wie der LMSYS-Arena Spitzenplätze unter offenen Modellen. Die im Januar 2026 folgende Version K2.5 brachte nach Angaben des Investors Cathay Capital eine deutliche Umsatzsteigerung: Der monatliche Umsatz habe innerhalb von zwanzig Tagen den gesamten Jahresumsatz von 2025 überschritten und sich danach mehrfach monatlich verdoppelt. K2.5 bildete unter anderem die Grundlage für Cursors Programmierwerkzeug Composer 2; Nvidia-Chef Jensen Huang bezeichnete Kimi öffentlich als eines der besten offenen Reasoning-Modelle. Am 27. Juli 2026 veröffentlichte Moonshot AI mit Kimi K3 ein Modell mit 2,8 Billionen Parametern und rund 104 Milliarden aktiven Parametern je Anfrage – zum Zeitpunkt der Veröffentlichung das größte Modell mit offen zugänglichen Gewichten.

Das schnelle Wachstum spiegelte sich in der Unternehmensbewertung: Nach einer Serie-C-Finanzierung über rund 600 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von rund 3,8 Milliarden US-Dollar (Pre-Money) Ende 2025 wuchs die Bewertung von Moonshot AI binnen weniger Monate auf zuletzt 35 Milliarden US-Dollar, nachdem das Unternehmen im Juli 2026 laut Bloomberg 3,5 Milliarden US-Dollar frisches Kapital eingesammelt hatte – deutlich mehr als ursprünglich angestrebt. Für Ende 2026 oder Anfang 2027 plant das Unternehmen Berichten zufolge einen Börsengang in Hongkong. Innerhalb der neuen Generation chinesischer KI-Gründer wird Yang regelmäßig neben Liang Wenfeng (DeepSeek), Tang Jie (Zhipu AI) und Yan Junjie (MiniMax) genannt – eine Gruppe, die in chinesischen Medien mitunter als „vier Himmelskönige der KI” bezeichnet wird.

Kontroversen und Kritik

Im November 2024 reichten fünf frühere Investoren von Recurrent AI – darunter GSR Ventures – bei einem Schiedsgericht in Hongkong ein Verfahren gegen Yang und seinen früheren Recurrent-AI-Mitgründer und heutigen Moonshot-CTO Zhang Yutao ein. Die Investoren warfen den beiden vor, Kapital für Moonshot AI eingeworben und das Unternehmen gegründet zu haben, bevor sie von dieser Verpflichtung gegenüber Recurrent AI entbunden worden seien, und machten eine noch offene Verbindlichkeit Yangs geltend. Moonshot AI kündigte an, sich gegen die Vorwürfe zur Wehr zu setzen. Presseberichten zufolge wurde der Streit später vor dem Hong Kong International Arbitration Centre beigelegt; Einzelheiten der Einigung wurden nicht veröffentlicht.

Verwandte Begriffe

Quellenangaben

  1. Barrier, Denis / Nie, Shendong, 2026. Behind the Term Sheet: Moonshot AI. Cathay Capital, 3. August 2026. https://www.cathaycapital.com/behind-the-term-sheet-moonshot-ai/
  2. Jiang, Ben, 2024. Meet Yang Zhilin: Moonshot AI founder builds business in the mould of ByteDance, OpenAI. South China Morning Post, 7. August 2024. https://www.scmp.com/tech/big-tech/article/3273461/meet-yang-zhilin-moonshot-ai-founder-builds-business-mould-bytedance-openai
  3. Jiang, Ben, 2024. Moonshot AI founder’s dispute with 5 investors up for arbitration in Hong Kong. South China Morning Post, 10. Dezember 2024. https://www.scmp.com/tech/big-tech/article/3290051/moonshot-ai-founders-dispute-5-investors-arbitration-hong-kong
  4. van Leeuwen, Hans, 2026. China’s baby-faced billionaire sends global markets into panic. The Telegraph, 21. Juli 2026. https://www.telegraph.co.uk/business/2026/07/21/chinas-baby-faced-billionaire-sends-markets-into-panic/
  5. Bloomberg, 2026. China’s Moonshot AI Passes Funding Goal to Hit $35 Billion Value. 29. Juli 2026. https://www.bloomberg.com/news/articles/2026-07-29/china-s-moonshot-ai-passes-funding-goal-to-hit-35-billion-value
  6. Moonshot AI, 2025. Kimi K2: Open Agentic Intelligence. arXiv: 2507.20534.
  7. Our China Story, 2026. Yang Zhilin, the founder of China’s AI Kimi is a „rock star”? 29. Juli 2026. https://www.ourchinastory.com/en/17187/

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