When Species Meet ist ein 2008 bei University of Minnesota Press erschienenes Buch von Donna Haraway, das am Beispiel konkreter Hund-Mensch-Beziehungen den Begriff der Response-Ability entwickelt – die wechselseitige Fähigkeit von Menschen und Tieren, aufeinander zu antworten.
Zusammenfassung
Ausgehend von ihrer eigenen Erfahrung im Hundeagility-Training entwickelt Haraway den Begriff des Becoming-With: Mensch und Hund werden im gemeinsamen Training nicht als bereits fertige, getrennte Wesen aufeinander bezogen, sondern formen sich wechselseitig in der geteilten Praxis.
Verantwortung entsteht Haraway zufolge erst aus dieser Response-Ability – der geteilten Fähigkeit beider Seiten, aufeinander zu reagieren – und nicht aus einer einseitig menschlichen Entscheidung, Rücksicht zu nehmen.
Begriffsgeschichte
Das Buch führt die 2003 im Companion-Species-Manifest begonnene Verschiebung von der Cyborg-Figur zum Mensch-Tier-Verhältnis fort und vertieft sie zu einer ausgearbeiteten Ethik der Mehr-Spezies-Beziehung. Es erschien in einer Phase wachsenden akademischen Interesses an den Human-Animal Studies und trug maßgeblich dazu bei, dieses Feld über die Cyborg-Rezeption hinaus zu etablieren.
Methodische Grundlagen
Haraway verbindet autobiografisches Erzählen über ihre eigene Hundehaltung mit philosophischer Begriffsarbeit und einer expliziten Kritik am menschlichen Ausnahmestatus (human exceptionalism). Zentral ist ihre Beobachtung, dass echte Response-Ability nur in konkreten, leiblichen Begegnungen zwischen tatsächlichen Tieren und Menschen entsteht, nicht in abstrakten Aussagen über „das Tier” im Allgemeinen.
Anwendungsfelder
Der Begriff der Response-Ability wurde über die Human-Animal Studies hinaus in Debatten um Posthumanismus aufgegriffen, die den Menschen nicht als isoliertes, autonomes Subjekt begreifen, sondern als eine unter vielen Arten, die in Beziehungsgeflechten mit anderen Spezies und Technologien existiert.
Haraway führte den daran anschließenden Gedanken co-konstitutiver Beziehungen später in Staying with the Trouble fort.
Kontroversen und Kritik
Kritiker:innen wandten ein, das Buch übertrage menschliche Kategorien wie Verantwortung und Antwortfähigkeit möglicherweise unzulässig auf Tiere, ohne hinreichend zu klären, in welchem Sinn ein Hund tatsächlich „antwortet” statt bloß konditioniert zu reagieren.
Andere Stimmen aus der Tierethik bemängelten, dass Haraways Fokus auf domestizierte Begleittiere wie Hunde wenig über das Verhältnis zu wildlebenden oder als Nutztieren gehaltenen Tieren aussage, deren Beziehung zum Menschen strukturell anders verfasst ist.
Verwandte Begriffe
- Staying with the Trouble – spätere Weiterführung derselben Grundgedanken
- Cyborg – Haraways früheres Schlüsselkonzept, von dem sich das Buch programmatisch zum Mensch-Tier-Verhältnis hin verschiebt
Quellenangaben
- Haraway, Donna J., 2008. When Species Meet. University of Minnesota Press.